Potsdamer Konferenz 1945, Ausstellung in Schloss Cecilienhof

Nach Potsdam geht es von Berlin aus an Schloß Glienicke vorbei – auf der B1, der alten Reichsstraße 1 von Aachen nach Königsberg.
… und über die Glienicker Brücke, die Agentenaustauschbrücke.
Super gepflegt bis heute (eigentlich: jetzt wieder). Es ist eine Freude, im Neuen Garten spazieren zu gehen.
Schloss Cecilienhof, sieht alt aus, wurde aber erst 1917 fertig – Erster Weltkrieg, es ging nicht schneller, aber genug Geld war trotzdem da und ausreichend Bauarbeiter. Im August 1917 bezog Kronprinzessin Cecilie ihre Räume, in denen sie im September ihr sechstes Kind zur Welt brachte. 
Vereinigte Staaten von Amerika, Großbritannien und die Sowjetunion. Nur Frankreich durfte bei den Siegermächten nicht mitmachen. Die waren deswegen sauer.
Die Teilnehmer der Konferenz werden vorgestellt – visuell und auf dem Audioguide. Die Vernichtung der Juden Europas war kein Thema, in Potsdam nicht – wie auch die Rettung der Juden nie Kriegsziel war. Das kommt aber in der Ausstellung nicht vor.
Truman wollte, dass Deutschland schnell auf die Beine kommt, damit die Besatzung den amerikanischen Steuerzahler nicht so viel kostet. Stalin hatte schon vor Konferenzbeginn eine Militärverwaltung installiert und der Kommunistischen Partei die entscheidende Rolle gesichert. Churchill wollte das Britische Imperium (das Öl im Irak) und die Stabilität in Europa durch ein geteiltes Deutschland sichern.
Als Identifikationsfigur wird Joy Milward eingeführt, die Sekretären von Churchill, 19 Jahre alt.
Joy Milward hat Tagebuch geführt, Zeitungsartikel gesammelt und gezeichnet. Sie berichtet auch über die vielen Veranstaltungen abends, tanzen gehen bis in die Puppen.
Joy Milward kommt auch auf dem Audioguide vor, der, wenn man mit einem Smartphone klar kommt. selbsterklärend ist. Zu sein scheint.
Auf dem Audioguide läuft ein Video, wie Churchill in Cecilienhof einfährt. Man sieht das Tor im Film und (oben) in echt. Verstehen die Besucher, wie man das mit dem Audioguide hinbekommt? Natürlich nicht. Aber wenn man ausreichend Personal bezahlt, geht das. Eine Dame steht an der Ausgangstür zum Hof und stellt jedem Besucher den Audioguide ein. „Und dann kommen Sie zurück und hier geht es weiter.“ So ein Audioguide kostet etwa 600 Euro. Wie viel eine Mitarbeiterin im Monat kostet, entzieht sich meiner Kenntnis.
Es wird an nichts gespart – nur an der Größe der Buchstaben. In Zeiten von Corona ist das besonders schlau. Die Schrift ist hier auf der Zeitleiste und auch auf den Tafeln so klein, dass man ganz dicht dran muss. Was denken sich die Grafiker dabei? Wer nimmt so etwas ab? Man hat den Eindruck, die Ausstellungsmacher waren noch nie in einer anderen Ausstellung. Oder es ist ihnen einfach egal, nicht ihr Zuständigkeitsbereich.
Kommentar dazu von Design-Professors Vilibald Barl, der Hunderte von Büchern und mannigfache Ausstellungen gestaltet hat: Darüber ärgere ich mich schon Jahrzehntelang.
Ich nenne das Seniorenfolter. Purer Kompetenzmangel!
Das gefällt mir: Die Korbsessel der drei Protagonisten am Ende. Churchill fehlt. Er war inzwischen abgewählt worden, eine verheerende Niederlage der Konservativen. Krieg gewonnen, Posten verloren. Die Briten wollten wieder feiern, nicht mehr den Gürtel enger schnallen.
Clemens Attlee (GB), Harry S. Truman (USA) und Josef Stalin (SU)
Wenn sie nicht im Garten am Posen waren, trafen sie sich im Konferenzraum. Die Möbel sind von damals. Echt. Das hat Schloss Cecilienhof mit dem Bunker gemeinsam: Ein authentischer historischer Ort.
Beeindruckend, sich an den Orten der Geschichte zu befinden. Stalins Büro.
Nach Meiner Meinung sind diese kleinen Buchstaben eine Rücksichtslosigkeit, eine Respektlosigkeit gegenüber den Besuchern, gegenüber jedem einzelnen Besucher. Der Eintritt kostet 14 Euro.
Churchills Büro
Tafel Churchill
Trumans Büro
Tafel Truman. Es sind so wichtige Informationen, wie die US-Soldaten in die Konzentrationslager kommen. Leider schwer zu entziffern. Dass August Prinz von Preußen auf dieser Tafel vorkommt, was hat er mit Truman zu tun? Nichts, aber irgendwo musste er wohl untergebracht werden. Aktueller Bezug ist die Auseinandersetzung mit den Hohenzollern heute. Wenn sich belegen lässt, dass „die Hohenzollern“ die Nazis unterstützt haben, wird es nichts mit der Restitution.
Mit Brille und einem Abstand von 40 Zentimetern sind die Texte aber ganz gut zu lesen.
Raum ohne Beschriftung (oder für mich nicht erkennbar).
Churchill in einem Leuchtkasten
Auch die Zeitungsausschnitte und alle anderen Bilder und Texte sind in Leuchttafeln. Man hat den Eindruck, die teuerste Ausstellungstechnik ist gerade gut genug.
Dieses Thema ist mir wichtig, weil wir bei „Hitler – wie konnte es geschehen“ mit geringen Mitteln Großes geschaffen haben. Die Exponate befinden sich bei uns auf Alu-Tafeln. Nie, wirklich noch gar nicht, hat sich jemand über unsere Ausstellungstechnik und die Beleuchtung mokiert. Für uns steht immer der Inhalt im Mittelpunkt, die Vermittlung, der klare Standpunkt gegen Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus.
Ein gutes Beispiel für extrem teure und völlig überflüssige Ausstellungstechnik. Es wird von oben auf die Fläche unten projiziert – schwer zu erkennen. Aber es muss dunkel im Raum sein, sonst funktioniert es nicht. Im Hintergrund und an der Seite Lichttafeln.
Ich habe mir das Verhalten der Besucher an dieser Stelle lange angesehen: sie gehen einfach vorbei. Es ist nicht sofort klar, um was es eigentlich geht. Die Ausstellung zerfaster sich am langen Ende.
Um solche Fehler zu vermeiden, haben wir uns ständig Ausstellungen angesehen und sind Besuchern in der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und im US Holocaust Memorial Museum in Washington immer wieder hinterher gelaufen: was nehmen sie wahr, wann steigen sie aus, was kann man sich (und den Besuchern) sparen? Wenn man aber nicht sparen, sondern das Geld auf den Kopf hauen muss, geht es auch anders.
Was blieb bei mir danach von der Ausstellung hängen? Drei bis vier Millionen Deutsche raus aus dem neu strukturiertem Polen (und als Vertriebene überwiegend in West-Deutschland) und drei bis vier Millionen Polen Richtung Westen umsiedeln. Dazu gibt es eine Tafel. Nicht hängen blieb bei mir, welche Bedeutung genau die Potsdamer Konferenz für die Deutschen, für die Menschen in den unmittelbaren Nachbarländern, für Europa oder gar die Welt hatte.
Und deswegen nochmal zurück zum Bunker, zu „Hitler – wie konnte es geschehen“. Wir hämmern den Besuchern ein, was wir meinen. Das kommt daher, dass wir eine Meinung haben. Morgen, am 1. August 2020, findet in Berlin wieder eine Demo von Nazis und Verschwörungsgläubigen statt. Es soll die größte überhaupt werden mit 500.000 Teilnehmern. Wir sind auf einer der Gegendemos – wie immer.
Ein umfangreiches Team war beschäftigt – mit Inhalt, mit Technik. Etwa 50 Leute und mehrere Unternehmen.

Diese Damen und Herren haben alle an der Ausstellung mitgearbeitet.

Ich bin gespannt, ob wir morgen bei einer Aktion gegen die neuen Nazis eine oder einen von ihnen auf der Gegendemo treffen. Wir achten da immer darauf, weil wir viele MitarbeiterInnen von Gedenkstätten kennen. Bisher war das einmal der Fall: ein Historiker und Pädagoge vom Haus der Wannsee-Konferenz.

Ein Kommentar (T.K.) zu meinem Beitrag: „Fehlende Erklärungen, die einen Zusammenhang zwischen den Interessen der Protagonisten und den Ergebnissen der Konferenz herstellen könnten. Auch vermisste ich eine abschließende Bewertung der Bedeutung der Konferenz für die weitere Entwicklung Deutschlands. Leider wurden hier mehrfach Chancen vergeben.“

Dazu mein Kommentar (Wieland Giebel): So ist das, wenn man Geschichte studiert hat, aber weder eine Meinung hat noch sich ernsthaft um Vermittlung kümmert, sondern einen Job macht ohne inneres Interesse.