Jahresrückblick 2020

Mit geringen Mitteln Großes leisten. Ein Erfolgsjahr. Alle Mitarbeiter hatten 2020 durchgehend 100 Prozent Gehalt auf ihrem Konto, ganz ohne staatliche Förderung für die Berlin Story – und anderen haben wir auch noch geholfen. Wie geht das? Der Jahresrückblick. Und etwas ausführlicher weiter unten: in einem Jahr eröffnen wir ein neues Museum: „1968“.

Im Vergleich zu den Hotels, bei denen der Umsatz 2020 um deutlich mehr als 60 Prozent zurückging, war die Anzahl unserer Besucher nicht so stark rückläufig. Aus den stetigen Gesprächen wissen wir, dass Hitler und der Nationalsozialismus für Viele zentrale Fragen aufwerfen, sie es jetzt genau wissen wollen, ganz unabhängig davon, was sie sonst in Berlin unternehmen. Die meisten waren auch noch nie in einem Bunker. Der Anteil deutscher Besucher stieg deutlich. Im vergangenen Jahr, als wir 350.000 Besucher hatten, kamen 70 Prozent aus dem Ausland, dieses Jahr eher 35 Prozent. Weiterhin sind es erstaunlich junge Besucher, 70 Prozent zwischen 25 und 35 Jahren.

1. Januar 2020 um 0.03 Uhr. Jeremy Issacharoff, der Botschafter Israels in Deutschland, mit Enno Lenze (links) auf dem Dach der amerikanischen Botschaft. Der Navy Seal nebenan blickt auf die Uhr und sagt „Drei Minuten. So weit, so gut!“ Wir haben alle gelacht.


Gute Planung macht 90 Prozent des Erfolgs aus. Mit Thomas Weber (rechts) planen wir in Münster, wie das Jahr so gestaltet wird, dass der 75. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai gewürdigt wird, das Ende des Nationalsozialismus. Thomas Weber ist der bedeutendste Historiker zu dieser Zeit und an der Universität Aberdeen Chef der Abteilung für History and International Affairs. So weit, so gut.


Kultursenator Klaus Lederer (Mitte) eröffnet am 27. Januar 2020 die Ausstellung „Frauen im Holocaust“. Wieland Giebel, Kurator des Bunkers, erläutert. Enno Lenze, Museumsdirektor, hat eingeladen.


Es ist der Tag, an dem das Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit wurde. Die Ausstellung begründet die dauerhafte Kooperation zwischen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und uns.


Ulli Zelle berichtet für die Abendschau des rbb.


Enno Lenze in Mossul im Irak Ende Januar 2020. Er ist der erste Journalist seit mehreren Jahren in der ehemaligen Hochburg des IS, die jetzt von den Iran-gesteuerten Hashd al-Shaabi beherrscht wird. Die BILD-Zeitung meldet sich sofort bei ihm: echt oder Fake-Foto?


Die Couch im Gebäude des Sicherheitsdienstes des Gründers des IS, Abu Bakr al-Baghdadi – inzwischen von den Amerikanern liquidiert. Ennos langjährige Kontakte haben die gefährliche Fahrt möglich gemacht.

Anderen Journalisten hat Enno mit schusssicheren Westen, Helmen und Gasmasken sowie einer GoPro-Kamera ausgeholfen, die in Belarus, Kurdistan, Moria und Bergkarabach eingesetzt wurden. Wir unterstützen massiv das Bildungszentrum Ourbridge in Kurdistan (Irak) mit seinen jesidischen Kindern.

Nicht der Profit steht bei uns ganz oben, sondern unser Engagement. So haben wir im Laufe dieses Jahres 5.000 Bunker-Tickets verschenkt, 5.000 Masken verteilt, wir waren Top-Spender der ins Trudeln geratenen Berliner Unterwelten, sponserten die Homosexuellen/Queer-Zeitschrift Siegessäule.


Wieland Giebel besucht im Februar und März fünf Wochen lang sieben Länder überwiegend Südost Asiens und dabei 26 Museen und Gedenkstätten – hier das beste von allen, das Nationalmuseum von Katar in Doha.


Es ging um die Stätten des Vietnamkriegs – hier die Killing Fields in Kambodscha.


Zurück im Verlag direkt vor Corona. Die Maske liegt schon für ihn bereit. Er muss nur noch lernen, sie richtig aufzusetzen.


Enno berichtet Gunnar Schupelius in „Talk im Turm“ über die Entwicklung des Bunkers – ganz knapp vor Corona. „Immer aufwärts!“


Wieland Giebel berichtet in der Sendung von Peter Brinkmann über das eben erschienene Buch „Curt Cowall„, also über den Verleger aus Kreuzberg zur Nazi-Zeit. Das war schon während des ersten Corona-Lockdowns.


Direkt vom Bunker meldet sich am Beginn des Lockdowns wieder die Abendschau des rbb. Unsere Corona-Schutzmaßnahmen sind vorbildlich.

Die zwölf Meter lange Abschirmung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Service hängt. Wir sind extrem vorsichtig, haben nachts Ozon und UV-C Licht-Desinfektionen und am Tag HEPA-Luftfilter sowie alle üblichen Maßnahmen wie unbedingte Maskenpflicht und ständiges Desinfizieren.

Das Ordnungsamt ist begeistert. Manche Besucher (im Promillebereich) meckern auf Google, wir würden das mit Corona ein bisschen zu ernst nehmen, man könne auch übertreiben. Danke für das Lob.


Im Tagesspiegel berichtet Sebastian Leber am 1. Mai 2020 ausführlich auf Seite 3 über Enno Lenze, sein Engagement, den Bunker und Ennos journalistische Aktivitäten.


Wir nutzen die Corona-Shutdown-Zeit und drehen fünf Videos. Wieland Giebel sagt auf, Enno Lenze dreht und schneidet. Warum steht der Bunker eigentlich hier? Wie haben wir das Berlin Story Museum und die Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ konzipiert und aufgebaut? Ein Blick hinter die Kulissen, also Kuratoren-Führungen.


Die Luftbrücke mit einem original Landeblech für den damals schnell planierten Flughafen Tegel. Als wir Hunger hatten, ging es mit Flughafenbau schneller. Die kleinen Fallschirme hat Gail Halvorsen für uns gebaut, für das Museum – mit Widmung. Er war der erste Rosinenbomber-Pilot, der Süßigkeiten für Kinder abgeworfen hat.


Während des ersten Lockdowns nutzten wir die Zeit weiterhin, um die Berlin Story News als eigenes, tägliches Nachrichtenportal aufzubauen – inzwischen mit einer Million Seitenaufrufe im Monat. Darin finden sich Berichte über unsere eigenen Eindrücke von den Reichsbürgern, aus dem Irak (Mossul) und Kurdistan, sowie zu aktuellen politischen Themen. Darüber hinaus informiert auch der Blog der Berlin Story weiterhin über Bunker und Verlag.

26. Mai 2020. Ende des 1. Shutdowns.
Wir hatten 73 Tage geschlossen, früher zugemacht und später aufgemacht als vorgeschrieben. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhielten während der gesamten Zeit 100 Prozent ihres Gehalts. Beim zweiten Shutdown dann auch.

Warum sind wir eigentlich nicht pleite? In guten Zeiten haben wir sparsam gewirtschaftet, vor allem aber das Geld nicht raus gezogen und privat verprasst. Auf Twitter kann man Enno Lenze und Wieland Giebel in den Alltag folgen.

Über Kreuzberg scheint immer die Sonne. Deswegen kommt auf das gesamte, riesige Dach eine Anlage zur Gewinnung von Sonnenenergie.


Enno hängt das Transparent an den Bunker. Ein gleichlautendes Transparent wurde auch am Alten Museum am Lustgarten angebracht, wo die Corona-Leugner sich immer wieder versammelten. Unser klares Statement zur Lage.

Um die Zeit des Christopher Street Days hängt die Regenbogenflagge – diesmal etwas kleiner, da die große nicht gehängt werden kann, weil noch die Solaranlage aufgebaut wird.


„Der Himmel über Berlin.“ Wim Wenders Film fing mit dem Bunker im Hintergrund an. Die Protagonisten stehen an einer Wurstbude in der Nähe des Portals des Anhalter Bahnhofs. Dahinter erstreckt sich 1987 noch Öde und der Bunker, damals noch Lager der Senatsreserve.


So schön! Es könnte so schön sein, aber auf den Straßen und Plätzen braut sich etwas zusammen, von dem wir noch nicht absehen können, was daraus wird. Wir halten die Augen auf und sind als Beobachter und Berichterstatter dabei.


17. August 2020. Direkt vor dem Reichstagsgebäude wurde ein Zelt der Corona-Leugner, Reichsbürger und Holocaustleugnern (Bericht dazu in Berlin Story News) aufgebaut. Wie kann das sein, direkt im Bannkreis, vor dem Parlament?


22. August 2020. Vorübergehend war die Bühne abgebaut, jetzt ist sie wieder da. Keine Polizei. Wer hat das genehmigt? Inzwischen ist die Großkundgebung am 29. August 2020 angekündigt.

24. August 2020. Die Reichsbürger sind umgezogen auf eine Wiese direkt am Kanzleramt. Sie dürfen mitten in der Stadt einen Campingplatz errichten. Sie fordern, dass die Regierung sowie die Virologen weggesperrt werden. Keine Reaktion des Staates.

Wir berichten auf allen uns zur Verfügung stehenden Medien und versuchen, den Tagesspiegel einzuschalten. Der Bürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel, bezeichnet unsere Berichterstattung öffentlich als Fake News.


29. August 2020. Reichsbürger vor der amerikanischen Botschaft. Sie bestreiten die Souveränität Deutschlands und erkennen die Regierung nicht an, den ganzen Staat nicht. Wir berichten den ganzen Tag hindurch. Abends wird die Reichstagstreppe von der Bühne aus gestürmt. Die Regierung soll vertrieben und eine neue Verfassung erarbeitet werden. Nichts passiert im Vorfeld. Im Nachhinein Geheule, warum die Polizei das zulassen konnte. Es lag nicht an der Polizei, sondern an Politikern, die nicht handelten, die – desinteressiert, die Gefahr leugnend – ihren Arsch nicht hochkriegten.


Pathologie in Buch. Themenwechsel. Besuch am 23. August 2020. Hier lag Hitler Anfang Mai 1945 on the rocks, auf Eis, bis der sowjetische Chefpathologe der Roten Armee kam.

Die B.Z. und zahlreiche weitere Zeitungen berichten derweil über die 640 Euro Schmerzensgeld, die Wieland Giebel von dem Raser erhalten hat, der ihn im Mai des Vorjahres beinahe totgefahren hätte.

Die Auswirkungen des Unfalls sind nicht vorbei. Normal gehen geht, joggen nicht, das Bein schmerzt ständig. Der Kopf kann komplexe Denkprozesse nicht erledigen. Ein 920-Seiten-Buch wie Warum ich Nazi wurde, erstellt aus 600 hand- und maschineschriftlichen Berichten des Jahres 1934, das sind 15 Ordner, sowie 3600 Seiten amerikanischem Sekundärliteratur, kann Giebel heute nicht mehr schaffen. Er hatte das Buch unmittelbar vor dem Unfall herausgegeben, nämlich 2018.

Tom Garus lässt Wieland Giebel den Unfall für die rbb-Abendschau nachstellen. Mit dem Hinterkopf ist er auf die Kante dieses Granitquaders geflogen, mehrere Meter. Nur weil er einen hervorragenden Fahrradhelm hatte, überlebte er. Die Strafe: 80 Sozialstunden. Da die Einrichtung, in der der 18-jährige diese Stunden gemacht hat, von Steuergeldern bezahlt wird, hat also der Steuerzahler die Strafe des Täters beglichen.

Die Richterin damals: „Er hat sich ja auch erschrocken!“ Stimmt. Mit seiner Freundin ist er immer um das kaputte Auto herumgegangen. Die Augenzeugen übereinstimmend: „Giebel hat ihn gar nicht interessiert.“


Erst hat er Wieland Giebel vom Rad geschleudert, mit ungeheurer Wucht, dann diesen Ampelmast umgefahren und überfahren. Der 258-PS-Audi rollte über den Mast.

Im Berlin Story Verlag erschienen in diesem Jahr, die Arbeit im Bunker flankierend, mehrere Bücher zum Nationalsozialismus, nämlich über das Nazi-Spionage-Bordell Kittys Salon; ein großer Bildband über die furchtbar erfolgreiche Plakatpropaganda der Nazis sowie über Hitlers letzte Diätköchin, die 24-jährige Constanze Manziarly aus dem Tirol. Sehr gerne würden wir uns mit Menschen aus dem Widerstand beschäftigen. Davon gibt es so wenige. Es gibt mehr Täter.

In „Liebste Janni“ geht es um einen SS-Mann der Leibstandarte Adolf Hitler, der unter den übelsten Kriegsverbrechern in Jugoslawien ist und Liebesbriefe an seine Freundin in Erfurt schreibt. In den Tagebüchern des Kreuzberger Verlegers Curt Cowall beschreibt ein Opportunist – literarisch anspruchsvoll – seine Karriere unter den Nazis.

Bei der 3-DVD-Box Wer war Hitler mit insgesamt siebeneinhalb Stunden handelt es sich um den mit Abstand besten Film über Hitler. In Ich traf Hitler berichten Menschen in den 1990er Jahren, wie sie den Diktator erlebt haben. Nur ein Buch fällt aus dem Rahmen, Terroristen vor dem Kammergericht. Dieses Buch weist schon auf das Museum 1968 und den Deutschen Herbst hin.


Soweit – so gut. Die Recherche im Heft der Nazi-Auslandspropaganda „Germany and You“ hat in der Universitätsbibliothek noch geklappt. Allerdings wird es zu unabsehbar langen Verzögerungen bei mehreren angekündigten Buchtitel des Berlin Story Verlags kommen, weil die Recherche im Bundesarchiv quasi nicht möglich ist. Nächster Termin im Lesesaal: Juli oder August 2021. Dann hätten wir überhaupt erst das Material, das wir brauchen, das dann noch bearbeitet werden muss.


Julia Schrammel und Urs Brunner vor den neuen Ausstellungstafeln zu Kitty Salon im Berlin Story Bunker. Urs Brunner erläutert zum Hintergrund des Buchs in der B.Z.: „Ein renommierter deutscher Produzent will die Lebensgeschichte von Kitty Schmidt verfilmen. Es wird eine Produktion mit internationalen Stars für Netflix oder eine ähnliche Plattform.“


Die Betreiberin des Nazi-Spionage-Bordells, Kitty Schmidt. Dies ist ein Druck nach einem Gemälde. Wir suchen weiterhin das Original.


Neu sind auch diese drei Tafeln. Sie zeigen sehr knapp, was nach dem Ende des Nationalsozialismus geschah. Nazis flohen über die „Rattenlinie“ nach Süd-Amerika (rechts), nur sehr, sehr wenige wurden verurteilt (Mitte). Nach dem Holocaust hörte der Völkermord nicht auf, Enno Lenze und Wieland Giebel besuchten viele dieser grausamen Orte.


In Köln bearbeitet die freie Theatergruppe Futur 3 Wieland Giebels Buch „Warum ich Nazis wurde.“ Das Stück wurde aufgeführt als Performance in der ehemaligen SS-Zentrale in Köln.

„Die Bewegung ist jung, der Frontmann charismatisch. Herzen und Köpfe fliegen ihm zu. Die NSDAP wächst zur mitgliederstärksten Partei der deutschen Geschichte. Was denken und fühlen diese Deutschen?“ Die ersten neun Aufführungen sind ausverkauft.


Bezirksstadträtin Clara Herrmann besucht den Bunker am 26. August 2020. Sie ist überrascht von der großen Menge junger Besucher und bedankt sich bei Enno Lenze für unser Engagement – welches ohne staatliche Zuschüsse auskommt.


Christoph Kreutzmüller (helles Hemd) besuchte uns am 22. September 2020 mit dem Team der Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz.


„Eigentlich kommen wir aus Neuseeland und Australien, haben aber gute Jobs in London. Diesen Tag wollten wir mit genug Zeit im Bunker verbringen. Freunde haben uns die Dokumentation empfohlen. Wir hatten gedacht, vier Stunden sind OK. Jetzt ist es aber länger geworden. Dann essen wir eben was am Flughafen.“


Mariana aus Chile war fünfeinhalb Stunden in der Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“. Das ist nicht außergewöhnlich. Laut Google beträgt die durchschnittliche Besuchszeit dreieinhalb Stunden. „Wenn ich in Berlin bin, will ich das wissen. Ganz genau. Der spanische AudioGuide war hilfreich, die Texte habe ich auf englisch gelesen. Es gibt in Chile nichts entsprechendes über die Pinochet-Zeit.“

Als Kinder waren Christiane Schulze (altrosa Jacke) und ihre Geschwister 1945 im Bunker. Enno Lenze führt sie während des zweiten Lockdowns durch die Räume, in denen sie nach der Flucht aus Ostpreußen mit ihrer Mutter Schutz gesucht haben. Hier der ausführliche Bericht … 


Planung für das neue Museum 2022

Die Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ im Berlin Story Bunker endet mit dem Untergang im Führerbunker und dem Mord von Magda Goebbels an ihren sechs Kindern. Viele der 350.000 Besucher des Jahre 2019 wundern sich dann, wie es eigentlich zu dem offenen, toleranten, liberal gesinnten Berlin und Deutschland heute kommt. Ein neues Museum soll das ab 2022 erklären. Es schließt an die NS-Dokumentation an, steht aber auch für sich selbst.

So entlassen wir die Besucher. So soll es aber in Zukunft nicht aufhören.

Jetzt haben wir uns vorgenommen zu erklären, wie aus dem größten Trümmerhaufen Europas diese Stadt wurde, warum in Deutschland die Demokratie triumphierte, wo die Wendepunkte der Geschichte sind, wann es sich drehte von „Strich drunter“ und Wirtschaftswunder zu einer liberalen Gesellschaft.

„1968“ steht als Symbol tiefgreifenden kulturellen Wandels. Die Werte der Kriegsgeneration werden abgelehnt. Ihr wird jegliche moralische Autorität abgesprochen. Das Jahr löst einen Modernisierungsschub der westdeutschen Gesellschaft aus. Die kurze Studentenrevolte bewirkt längst überfällige gesellschaftliche und politische Veränderungen, die Deutschland auf Dauer durchdringen.

Im grenzenlosen Vertrauen auf die eigene Kraft die Welt verändern – dieser Ehrgeiz elektrisiert die Jugend: „Wir sind eine neue Generation, die in die Welt eintritt und sie besser macht – auf allen Kontinenten: für die Freiheit der Unterdrückten, gesellschaftliche Teilhabe und mehr Demokratie.“

Im Laufe der folgenden Jahre kommt es zu stärkerer Selbstbestimmung der Frauen, Abtreibung wird legal, diskriminierende Gesetze gegen Homosexuelle fallen. Es wächst die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, das ökologische Bewusstsein, die Offenheit gegenüber ethnischen Minderheiten, die Mitsprache der Basis in Parteien, Gewerkschaften, Verbänden und Kirchen; die Friedensbewegung entwickelt sich; Menschenrechte werden wahrgenommen, die Erziehung wird weniger autoritär, Universitäten verlieren an Muff, das Bildungssystem wird durchlässiger, zwischen Arbeit und Kapital entstehen korporative Formen der Verhandlung; die Volljährigkeit sinkt von 21 auf auf 18 Jahre, alternative Lebensentwürfe werden eher toleriert. Die meisten Deutschen gehen mit ihrer besonderen Verantwortung gegenüber der Geschichte anders um als die Generation vor 1968. Deutschland wird liberaler und zu einem Land der Bürgerinitiativen.

„1968“ markiert mit der kurzen Revolte einen Einschnitt. Der Deutsche Herbst mit den Angriffen der RAF forderte die deutsche Demokratie extrem heraus. Durch die Herausforderungen stärkte sich die Demokratie in Westdeutschland.

Im Jahr 2021 werden wir planen und bauen, 2022 eröffnen wir.

Mit freundlichem Gruß

Wieland Giebel und Enno Lenze