
Es kommt nicht so oft vor, dass man auf Leute trifft, die fragen „Wie können wir Euch helfen“ und nicht „Was können wir kriegen“. Wie können wir helfen, das ist auch unsere grundsätzliche Fragestellung im Berlin Story Bunker. Wir haben die gleiche Einstellung wie Yuriy Koshel, der Direktor und Yuriy Bilovus, stellvertretender Direktor vom National Museum of Military History of Ukraine in Kyiv, dem NVIMU. Das macht die Zusammenarbeit nicht nur einfach, sondern sehr angenehm.
Yuriy Bilovus, Enno Lenze und Wieland Giebel. Das war dienstlich, also nach Feierabend. Es war in Budapest. Wir haben uns gemeinsam die Ausstellung mit eroberten russischen Waffen angesehen, die demnächst in den Bunker kommen sollte. Und wir hatten Grund zu lachen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Nationalen MilitärhistorischeN Museum und dem Berlin Story Bunker war immer besser geworden.

Ohne die Hilfe des Nationalen Militärhistorischen Museum in Kyiv wäre es nicht möglich gewesen, diesen Panzer am ersten Jahrestag des russischen Überfalls vor der Moskauere Botschaft in Berlin aufzustellen. Unser Ziel war, den Ukrainern zu zeigen, dass wir voll und ganz hinter ihrem Kampf um Unabhängigkeit und Freiheit stehen – und den Russen zu signalisieren „Fuck Putin“! Foto: Stephan Röhl

Symbolträchtig: Der zerschossene russische Panzer vor dem Reichstag in den Morgenstunden des 24. Februars 2022. 1945 war es anders. Das ist uns bewusst. Deutschland hatte Russland überfallen und ist für den Tod von 16 Millionen Sowjetbürgern verantwortlich, darunter sehr viele Ukrainer. Deren immense Verluste werden auf zehn Millionen geschätzt.

Pressekonferenz. Die Medien weltweit berichten. Die Resonanz ist überwältigend, noch umfangreicher als wir dachten. Wir geben den Sendern vier Stunden lang Einzelinterviews. Jeder will das exklusiv. Diese erfolgreiche Aktion wird zur Grundlage unserer Zusammenarbeit. Wie der Panzer nach Berlin kam, darüber berichtet dieses 12-Minuten-Video.

Im Herbst 2022 haben wir eine relativ große Ausstellung mit Memes eröffnet. Der Hintergrund: In der Dokumentation „Hitler, wie konnte es geschehen” beschäftigen wir uns ausführlich mit Propaganda. In allen Diktaturen bedeutet das: top-down. Der Propagandaminister sagt, wo es langgeht. Memes in der Ukraine funktionieren genau umgekehrt. Jeder, der Photoshop oder eine entsprechende App bedienen kann, macht mit. Dadurch sind die Memes so witzig und so vielfältig. Unsere Besucher sind begeistert. Wir sind ebenfalls begeistert, weil das Nationale Militärhistorische Museum in Kyiv unsere Ausstellung übernimmt. Endlich können auch wir etwas beitragen.

Ein Jahr danach, März 2024: Hier am Flughafen Hostomel begann die volle Invasion der Russen am 24. Februar 2024. Jedenfalls der Versuch. Die russischen Elitetruppen wurden von den Ukrainern in 19 Tagen geschlagen, dann begann der schmähliche Rückzug aus der Region Kyiv, der am 2. April 2022 abgeschlossen war – der Tag, an dem Enno Lenze nach Kyiv kam. Tim Pritlove, Enno Lenze, Yuriy Bilovus und der Kurator Yevgeniy Shupik. Ein Ort der Zeitgeschichte. Ein Ort, der nach dem Krieg erheblich an Bedeutung als Destination der Kriegsgeschichte gewinnen wird. Ohne Begleitung von Yuriy Bilovus wäre es nicht möglich gewesen, diesen Ort zu besuchen und Gespräche mit Zeitzeugen zu führen. Unsere Kompetenz und unser Gefühl für die Geschehnisse wird dadurch gestärkt.

Juni 2024: Yuriy Bilovus bringt das Material für die Ausstellung von Budapest nach Berlin. Damit fing dieser Bericht an. rechts vorne auf dem Tisch sieht man den Motor einer Shahed-Drohne, damals noch aus iranischer Produktion. „Moped“ nennen die Ukrainer die Drohne, weil sie sich so anhört, eher noch wie ein Rasenmähermotor.

Das Military Media Center in Kyiv ist zur Eröffnung der Ausstellung „Know Your Enemy“ am 26. Juni 2024 zugeschaltet. Der Tagesspiegel, die Berliner Zeitung, Bild sowie B.Z und auch die Deutsche Presse Agentur dpa berichteten – alle Medien berichten ausführlich, weil den Journalisten bewusst war, dass diese todbringenden russischen Waffen nur im Berlin Story Bunker zu sehen sind.
Es geht darum, die Zusammenarbeit darzustellen und die Bedeutung der deutschen Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg zu würdigen. Links Colonel (Oberst) Oleksandr Zaruba, Leiter der Informations- und Analyseabteilung des ehemaligen Zentrums für Forschung zu erbeuteten und fortschrittlichen Waffen und militärischer Ausrüstung. Rechts Yuriy Bilovus, stellvertretender Direktor des Museums für Militärgeschicht der Ukraine und dessen Auslandsbeauftragter. „Für die Ukraine ist es unerlässlich, all diese Waffen und Maschinen zu zeigen, die Russland in unsere Länder gebracht hat. Sie haben sie hierher gebracht, um unser Territorium zu erobern, unsere kulturelle Identität auszulöschen und unsere Heimat dem Erdboden gleichzumachen.
Indem wir diese Stücke heute präsentieren, erinnern wir die Welt nicht nur daran, was wir verteidigen – wir zeigen auch ganz klar, dass die Ukraine sich weiterhin gegen einen überwältigenden Angriff wehrt. Wir halten die Stellung durch unseren heldenhaften Widerstand, gestärkt durch die wichtige militärische Unterstützung unserer westlichen Partner.“

Die ukrainische Perspektive, also ein Screenshot aus dem Military media Center in Kyiv. Links steht Alisa Podolyak, Botschaftssekretären, die vor zwei Jahren den Kontakt zum Verteidigungsministerium der Ukraine hergestellt hatte und jetzt auch wieder dabei ist. Sie berät uns schnell und zielgerichtet. Mit deutschen Experten der Elektronik untersuchten wir zahlreiche Exponate und fanden heraus und berichteten, dass nahezu überall westliche Technik steckt, meist, aber nicht immer, Dual Use Produkte.
Über die Eröffnung der Ausstellung berichtete der ukrainische Fernsehsender INTER:
Am Rande der Ausstellung war auch das Video aus der Region Bachmut zu sehen, das mit einer Drohne aufgenommen wurde, die wir gespendet hatten, die abgeschossen, dann gefunden und uns zurückgegeben wurde. Das Dorf sieht aus wie Flandern im Ersten Weltkrieg. Nichts, aber auch gar nichts Militärisches ist in der Nähe. Putin zerbombt einfach alles, wie er Grosny und Aleppo zerbombt hat.


Mai 2025 im Donbas. Die von den Ukrainern abgeschossenen russischen Panzer wirken wie ein Abenteuerspielplatz – selbst für Erwachsene. Dutzende stehen herum, wahrscheinlich schon seit der ukrainischen Gegenoffensive im Herbst 2022. Es ist eine Exkursion in den Krieg, dicht an die Front heran. Diese Erfahrung zu sammeln war nur möglich durch die Einladung, an dieser Fahrt teilzunehmen.

Oblast Donezk. Man kommt nicht mehr ohne Begleitung in diese Gebiete nahe der Front. Dieses Foto ist auf dem Rückweg aufgenommen. Alles näher dran soll nicht veröffentlicht werden. Das Interview mit Mykola Bondar (rechts) ist im Buch SLAVA UKRAINI. Es geht um ein Leben im Widerstand: Die Geschichte eines Mannes, der seit seiner Jugend gegen die russische Besatzung und die sowjetische Ideologie kämpft und die Kontinuität des Widerstands betont. „Die Zukunft der Ukraine ändert sich nicht. Genauso wie in den letzten tausend Jahren. Es ist ein Kampf, es ist ein Krieg. Wir können unsere Nachbarn, diese Feinde aus Moskau, nicht umsiedeln. Wir haben keine Aussicht auf Versöhnung, denn die Moskowiter können die Existenz einer unabhängigen Ukraine nicht zulassen.“ Das Interview mit Mykola Bondar fand am 11. Mai 2025 in Svyatogorsk statt. Das Gebäude gibt es nicht mehr. Es wurde kurz darauf von fünf Shahed-Drohnen zerstört.
Einige Eindrücke sind im Beitrag „Von der Front in die Vitrine“ festgehalten.

Eine Gedenkfeier. Worum geht es? Durch die erfolgreiche ukrainische Gegenoffensive im Herbst 2022 wurden Tausende Quadratkilometer zurückerobert. Das Gedenken gilt den ukrainischen Soldaten, die dabei gefallen sind. Vierter von links ist Oleksii Yukov. Er sucht Kriegstot, gräbt sie aus und bringt sie ihren Familien zurück: Ein Aktivist, der im Buch SLAVA UKRAINI über die unschätzbare Bedeutung jedes einzelnen Lebens berichtet und über seine Mission, die Gefallenen nach Hause zu bringen, um den Angehörigen Trost zu spenden. „Wenn man mich fragt: ,Warum sammeln Sie diese Knochenfragmente?‘, antworte ich: ,Wie würden Sie Ihr Kind einsammeln?‘
Sie würden alles einsammeln, um es zu begraben. Denn für die Familie ist die Rückkehr eines geliebten Menschen oft der Sinn des Lebens.“
Von März bis September 2022 bildeten die Siedlungen der Gemeinde Sviatohirsk eine unüberwindbare Verteidigungslinie gegen den Vormarsch zweier russischer Armeekorps.
Hier stoppten zwei Bataillone der 81. und 95. Luftangriffsbrigaden – zusammen mit den angegliederten Einheiten der Nationalgarde, der Streitkräfte der Ukraine und der Territorialverteidigungskräfte – den strategischen Vorstoß der russischen Streitkräfte in Richtung Slowjansk und Kramatorsk.
„Wenn wir heute an dieser Gedenkstätte stehen, ehren wir nicht nur den Mut derer, die hier gekämpft haben, sondern auch den unerschütterlichen Geist, der unser Land und unser Volk in einem der entscheidendsten Momente dieses Krieges geschützt hat.“ Volodymyr Rybalkin, Leiter der Gemeinde Sviatohirsk und Chef der Militärverwaltung von Sviatohirsk, ist auf dem Foto rechts zu sehen.
Dieses Video beim Dorf Dolyna zeigt, dass hier einfach ein abgelegenes Dorf ohne jeglichen militärischen Hintergrund oder Anlass zerstört wurde. Die Existenzgrundlage der Menschen sollte vernichtet und sie in die Flucht getrieben werden. So, wie es Putin in allen seinen Kriegen zuvor getan hat. Das wollte ich mit eigenen Augen sehen.
Die Schule in dem Dorf. Warum muss man eine Schule zerstören?

Die ehemalige stellvertretende Verteidigungsministerin Hanna Maliar im Interview für das Buch Slava Ukraini. Das nächste Kapitel der Zusammenarbeit. Wir treffen uns im Nationalen Militärgeschichtlichen Museum. Hanna Maliar hat sechs Monate mit dem Generalstab im Leitungs-Bunker verbracht. Insgesamt werden es dann dreißig Tiefeninterviews sein, die einen Eindruck von der Lage in den ersten Tagen des Krieges bis zum Zeitpunkt des Gesprächs geben. Damit entwickeln wir eine konkretere Vorstellung, die dann in die Vorbereitung des Ukraine Museums einfließt.

SLAVA UKRAINI, knapp 600 Seiten in den Sprachen deutsch, ukrainisch, englisch. Alle 30 Interviews finden sich in dem Buch und als Video auf auf unserer Internetseite. Im zweiten Teil des Buchs geht es um das Ukraine Museum und die Exponate – sowie um unsere Aktivitäten, die von der Berlin Story ausgehen.

Dieses Buch in der ukrainischen Fassung erhielten im August 2025 der ukrainische Verteidigungsminister Denys Shmyhal und Wolodymyr Selenskyj, der Präsident. Unsere Aktivitäten blieben nicht unbeachtet. Wir, Enno Lenze und Wieland Giebel, waren die einzigen Deutschen unter den 600 Unterstützern der Ukraine aus 15 Ländern, die zu diesem Treffen eingeladen waren.Enno war unmittelbar zuvor für längere Zeit in der Ukraine. Er besuchte unsere Freunde und brachte Exponate für das Ukraine-Museum mit. Deshalb fuhr dieses Mal Wieland Giebel. Die Beziehungen vertieften sich, insbesondere zum Verteidigungsministerium.

Das nächste Ergebnis unserer Zusammenarbeit ist ein Bericht des Generalstabs der Ukraine über die Schlacht um Kyiv. Wir vom Berlin Story Verlag wurden gebeten, das Buch auf Deutsch und Englisch herauszugeben. Die Schlacht um Kyiv war die wichtigste in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Am 24. Februar 2026, dem vierten Jahrestag der vollständigen Invasion, werden wir das Ukraine-Museum im Berlin Story Bunker eröffnen. Erhebliche Umbauten und Umstrukturierungen waren dafür die Voraussetzung. Im Mittelpunkt stehen der Überlebenskampf und die Siegeszuversicht der Ukrainer. Zu sehen sein wird ein erheblicher Teil des modernen Waffenarsenals, mit dem die Russen gegen das ukrainische Volk vorgehen.

„Danke Deutschland“ – das steht auf der Geschosshülse der Gepard-Munition in der Mitte. Es gibt vier dieser Patronen: eine für den Bundespräsidenten, eine für den Bundeskanzler und eine für uns. Vielen Dank an Yuriy und Yuriy vom Nationalen Militärhistorischen Museum. Mit Orden haben wir es nicht so. Wir helfen, weil wir wollen, nicht für Orden. Aber das ist eine tolle Idee. Der Gepard trägt erheblich zum Abschuss von Drohnen bei.

Direkt von der Front in Pokrowsk in den Bunker, eine der modernstern Drohnen.
Dies ist der ukrainische Bericht dazu:

„Das 7. Schnellreaktionskorps Rapid Response Corps der Luftlandetruppen der Streitkräfte der Ukraine übergab Exponate der Verteidiger von Pokrowsk an das Ukraine-Museum im Berlin Story Bunker. Dabei handelt es sich um Trümmer des russischen Aufklärungsdrohne UAV Zala, die von Einheiten der Luftabwehr der 25. separaten Luftlandebrigade elektronisch zur Landung gebracht wurde, sowie um die ukrainische Abfangdrohne kh-s7 der 32. separaten mechanisierten Brigade. Die Gegenstände wurden vom Mitbegründer des Museums, Enno Lenze, persönlich entgegengenommen. Im November besuchte er die Frontregionen und traf sich mit ukrainischen Militärs, darunter Vertretern des 7. Korps der Luftlandetruppen. Enno Lenze sammelte verschiedene Gegenstände, die Symbole des Krieges und der Geschichte unseres Widerstands sind, um damit die ukrainische Ausstellung im Berlin Story Bunker zu erweitern.“

In diesem Moment sieht Oleh, wie sein Freund von einer russischen Drohne getötet wird. Beide betrieben in Cherson als ukrainische Freiwillige ein „Sozialtaxi”. Im Museum sehen wir im Video, wie die russische Drohne ihr Fahrzeug ins Visier nimmt und den Fiat Scudo trifft. Dann Oleh.

Cherson, eine Anwohnerstraße. Die Drohne stüzte mit ihrer Bombenlast von oben auf das Fahrzeug. Dies ist die Perspektive des russischen Drohnenpiloten.

Das Fahrzeug wird das zentrale und wichtigste Ausstellungsstück des Ukraine-Museums sein. Um es nach Deutschland zu bringen, waren wir erneut auf die intensive Unterstützung des Nationalen Militärhistorischen Museums angewiesen
Zwischengeparkt steht es im Museum der Strategischen Raketentruppen (Pervomaisk), das zu den Museen des NVIMU gehört. Im Hintergrund sind die ukrainischen Interkontinentalraketen zu sehen. Die ehemaligen. Die Atomsprengköpfe der drittstärksten Atommacht der Welt wurden 1994 gegen Sicherheitszusagen der Russen, der Amerikaner und der Briten abgegeben.