Zeitzeugen des modernen Schlachtfelds: Das Protokoll der Panzergruppe „Adam“
Oberstleutnant Balchowskyj Andrij Walerijowytsch und Oberstleutnant Pawlitsch Wadym Wasyljowytsch, Interview im Nationalen militärgeschichtlichen Museum der Ukraine in Kyiv.
Wenn man verstehen will, wie sich die Ukraine in den ersten Tagen der umfassenden Invasion verteidigt hat und wie radikal Drohnen und moderne Taktiken den Krieg verändert haben, muss man den Männern zuhören, die an vorderster Front im Panzer saßen. In diesem Protokoll berichten zwei hochrangige Offiziere der legendären ukrainischen taktischen Gruppe „Adam“ schonungslos über das Chaos der ersten Tage, technologische Improvisation, Nahtoderfahrungen und die gravierenden Mängel westlicher Militärplanung.
Teil 1: Das Wunder aus der staubigen Lehrstuhl-Box (Februar 2022)
Oberstleutnant Balchowskyj Andrij Walerijowytsch, ein erfahrener Techniker, der seit dem Jahr 2000 im Dienst steht und im Instandsetzungsbataillon einer Panzerbrigade diente, wurde vom Kriegsausbruch mitten in Kiew überrascht. Er beschreibt die absolute Orientierungslosigkeit der ersten Stunden:
„In den ersten Tagen hat ungefähr selbst, wie soll ich sagen, die Führung der Universität verstanden oder nicht verstanden, was zu tun ist. Das heißt, man hat uns, nun, grob gesagt, auf dem Gelände der Universität eingesperrt.“
Doch Andrij wollte nicht tatenlos zusehen, wie die Scheiben der Häuser durch den Einschlag von Kalibr-Raketen erzitterten. Seine Devise war klar: „Gebt mir einen Panzer, ich werde kämpfen.“ Was dann folgte, grenzt an ein logistisches Wunder. Auf dem Gelände der Militärakademie wurden zwei alte, eingemottete Kettenfahrzeuge entdeckt, die dort seit einer Ewigkeit als Anschauungsobjekte vor sich hin staubten. Andrij erinnert sich:
„Zehn Jahre standen die Panzer in der Box: ein T-72, ein altes Ding, und ein unfertiger ‚Bulat‘ T-64, der ein Museumsstück war. Von denen wurden ja insgesamt nur 12 Exemplare gebaut. […] Der Ladeautomat schloss in beide Richtungen kurz. Weil dort jeder Block separat entworfen war. Das war ein experimentelles Fahrzeug, bei dem, salopp gesagt, nichts funktionieren sollte, weil es als Versuchsmuster gebaut wurde.“
Mit zwei Kamaz-Batterien, falschen und viel zu dünnen Kabeln sowie Ersatzteilen, die hastig von zivilen Autowerkstätten gespendet oder von Prüfständen mitten in Kiew abmontiert wurden, begannen die Männer, die Maschinen zum Leben zu erwecken. In dieser staubigen Werkstattbox kreuzten sich ihre Wege zum ersten Mal mit dem Kommandeur, der der Gruppe ihren Namen geben sollte: Adam.
Innerhalb von nur einer Woche machten sie die unbrauchbaren Museumsstücke einsatz- und gefechtsbereit. Es war eine hektische Zeit, in der die Besatzungen die ganze Nacht damit verbrachten, verrostete Granaten und Zünder mit Sandpapier zu reinigen, damit sie überhaupt in die Ladeautomaten passten.
Teil 2: Freiwillige, Schokolade und Museumswaffen
Hier kommt der zweite Interviewpartner ins Spiel: Oberstleutnant Pawlitsch Wadym Wasyljowytsch. Zu Kriegsbeginn war er eigentlich schon Rentner und in einer zivilen Firma tätig – ein Familienvater mit drei Kindern, dessen jüngster Sohn gerade einmal vier Monate alt war. Wadym hatte das Unheil kommen sehen und noch einen Monat zuvor in Interviews bei Defense Express vor dem drohenden Angriff gewarnt. Als die ersten Granaten einschlugen, gab es für ihn kein Halten mehr:
„Ging zum Wehrersatzamt. Sie sagen, für Rentner gibt es keine Stellen, keine Arbeit. Aber ein Freund schlug vor zu gehen… es werden ja Gewehre ausgeteilt. […] Ich ging dorthin, als Freiwilliger. Am Morgen des 24. waren wir schon am Stadtrand der Stadt Kiew. Und man warf uns als Infanterie rein. Wir bezogen Verteidigung im Wald und fingen an, uns dort einzugraben.“
Die Truppe, die sich dort im Unterholz der Hasoprowodna-Straße einfand, war ein wild zusammengewürfelter Haufen aus der Zivilbevölkerung: „Da waren Möbelpacker, da war auch der Architekt der Stadt Kiew, da waren auch Blogger. Sehr viele Leute waren da.“ Die Ausrüstung war katastrophal. Wadym berichtet von den Waffen der ersten Tage:
„Als wir noch herumrannten, da hatte ich ein Maschinengewehr aus dem Jahr ’29, ein Museumsstück, ein DP-27, nicht mal eine Modifikation, es war von 1929. Und die Jungs kämpften später damit […]. Nicht mal wie man es aufmunitioniert, nun, kaum einer wusste, wie man dieses Trommelmagazin aufzieht, damit es funktioniert.“
Wadym, der früher ebenfalls Offizier für die Reparatur von Militärtechnik war, wurde schließlich von alten Bekannten zur Akademie geholt, um bei den beiden Panzern auszuhelfen. Weil die vorgesehene Besatzung für den T-72 an einen anderen Ort beordert worden war, sprang er kurzerhand selbst ein. Während dieses harten Überlebenskampfes hielt die ukrainische Zivilgesellschaft die Männer am Leben: „Essen brachten uns die Leute aus Restaurants. Mitten im Wald hält ein Auto an und sie bringen uns im Wald was zu essen. Haben uns verpflegt.“ Bis heute bewahrt Wadym diesen menschlichen Zug: „Ich kann heiße Schokolade machen, wenn… Wenn es geht. Soll ich Ihnen Schokolade machen?“
Teil 3: Der 500-Kilo-Bombenkracher an der Ringstraße
Anfang März 2022 rückte die kleine Einheit – bestehend aus zwei Panzerbesatzungen, einem BMP und etwas Infanterie – auf die Kiewer Ringstraße in Richtung Irpin und Moschtschun aus, um einen drohenden russischen Durchbruch abzuriegeln. Es war bitterkalt. Während die Infanterie im Wald am Lagerfeuer zitterte, versuchte Andrij im Inneren des T-72 die Vorheizung des Panzermotors zu finden. In diesem Moment brach die Hölle über sie herein:
„Ich kletterte beim Fahrer raus, kletterte zum Richtschützen rein. Ich suche das Ventil. Um es milde auszudrücken. Wie das gekracht hat! Ich dachte, mich bläst es im Panzer weg. Ich klettere raus. Da schlug eine 500-kg-Bombe ein. Mitten auf der Tankstelle. Im Beton ein Loch von 2×2 Metern. Ein Trichter. Ungefähr 10 Meter hinter unserem Ural.“
Es grenzt an ein Wunder, dass unter den rund 200 anwesenden Soldaten in diesem Moment niemand getötet wurde, obwohl fast allen Leutnants und Sergeanten die Trommelfelle platzten. Andrij schildert die apokalyptischen Szenen:
„Ein Panzer explodierte mit Benzin. An der Tankstelle. Und da steht ein Ural-Lkw. Er fängt schon an zu brennen. Er hat Munition geladen. Und aus ihm kommen 2 Menschen raus. Und sie gehen wie im Feuer. Wie Heilige. Sie gehen einfach so. […] Und hier schreien wir: ‚Die Munition!‘ Und wir fingen an, sehr schnell um diese Maschine herumzurennen.“
Die Druckwelle der Detonation war so gewaltig, dass sie Andrij, obwohl er 50 Meter entfernt stand, meterweit durch die Luft schleuderte: „Mich hat es einfach so von der Druckwelle umgelegt. 50 Meter weit. Ich bin hier an die 15 Meter geflogen.“
Teil 4: Hochzeitsdrohnen und Steilfeuer aus dem Unterholz
Nach dem Schock bezog die Gruppe Stellungen im Gehölz bei Horenka, etwa acht bis zehn Kilometer von den russischen Linien entfernt. Hier erfanden die Männer der Gruppe „Adam“ das Panzerschießen völlig neu. Da sie keine Sichtverbindung zum Feind hatten, nutzten sie das ukrainische „Kropiwa“-System und richteten die Kanonen der Panzer stur nach der Sonne und einer mechanischen Libelle aus, um Steilfeuer wie eine Artilleriebatterie auf vier Kilometer Distanz abzugeben.
Die Augen am Himmel verdankten sie dabei einer genialen Zweckentfremdung ziviler Technik:
„Zu Rotodam [Anm.: gemeint ist die Gruppe Adam] kamen Jungs, die Hochzeiten gefilmt haben. Sie nahmen ihre Drohnen mit, die für Hochzeiten umgebaut waren. Sie flogen rum, filmten Hochzeiten, und sie fungierten als Koordination für unsere Aktionen. Sie flogen aus, markierten uns die Ziele. Wenn es in Reichweite war, richteten wir aus und fackelten nicht lange.“
Mit diesem improvisierten System erzielten sie verheerende Treffer. Andrij berichtet stolz: „Im Ergebnis klappte es beim fünften Schuss, er traf ein BMD. Auf 4 Tausend Meter. […] Es hat es einfach zerrissen.“ Ein anderes Mal tasteten sie sich rein zufällig an ein im Wald verstecktes russisches Munitionsdepot heran, das daraufhin unter gigantischen Explosionen in die Luft flog. Die Russen wiederum machten ununterbrochen Jagd auf sie, setzten Laser-Marker von Drohnen ein und überzogen die ukrainischen Stellungen mit massivem Artilleriefeuer. Die Panzer wurden zu regelrechten Beschuss-„Magneten“.
Teil 5: Die rauchige Hölle von Irpin und das Duell mit der Speznas
Am 18. März überquerte die Gruppe „Adam“ den Fluss Irpin über eine Pontonbrücke und stieß mitten in das umkämpfte Zentrum der Stadt Irpin vor. Es herrschte das nackte Chaos, die Sicht war gleich null:
„Und das ganze Irpin… Es war… voll Rauch. Alles zugezogen, alles grau. Alles wie eine Suppe. Und wir gehen. Hier brennen Hütten, hier Häuser. Wir gehen durch diese Straßen. Vor uns bewegen wir uns in Formation. Als Erster fährt Adam in seinem Fahrzeug. Danach kommt die BMP-Kiste. Und wir bilden das Schlusslicht. Ich drehe den Turm nach hinten. Adam schaut nach vorne.“
Plötzlich kam es zu einer beinahe fatalen Begegnung mit einem russischen Luftlandeprodukt (BMD), das sich unbemerkt im grauen Dunst von hinten an den ukrainischen Panzer herangepirscht hatte. Andrij schildert die Sekunden nackter Panik, als das feindliche Fahrzeug plötzlich nur einen einzigen Meter hinter ihnen auftauchte:
„Und ich kann das Rohr nicht auf es absenken. Bei mir senkt sich das Rohr nicht ab, weil da das Heck ist, und es steht auch noch ein kleines Stückchen tiefer. Und ich kann das Geschütz einfach nicht absenken, um draufzuballern. Und es steht tiefer, und hat auf uns, verdammt, draufgespuckt, verdammt. Es spuckte eine Hunderter, traf genau zwischen uns…“
Trotz des unvorteilhaften Winkels gelang es ihnen, den Hof einer Backstein-Haltestelle zu stürmen und das Feuer zu erwidern. Der Einschlag war so gewaltig, dass die russischen Soldaten panisch aus den Fenstern des ersten und zweiten Stocks der umliegenden Häuser sprangen : „Der hier dreht sich um, und wir sehen, die Brut rennt raus, nicht mal wie Mäuse, sondern einfach Gestalten rennen aus dem ersten Stock, aus dem zweiten Stock. Sie springen einfach runter.“ Die taktische Gruppe lieferte sich ein stundenlanges, erbittertes Duell mit einer feindlichen Speznas-Einheit, die mit zehn Fahrzeugen angerückt war – am Ende kehrten laut späteren Berichten nur 30 Russen zu Fuß zurück.
Mitten im Gefecht kam es zu dramatischen technischen Ausfällen. Bei Adams eigenem Panzer versagte der Lademechanismus: Eine abgetrennte Treibspiegel-Hülse fiel am Ladekarussell vorbei und trennte sämtliche Kabel durch, sodass das Fahrzeug blockiert war. Adam fackelte nicht lange, rannte unter Beschuss zu Andrijs Panzer, schmiss die dortige Besatzung kurzerhand raus und übernahm das Kommando über deren einsatzbereite Maschine:
„Befehl an alle: Raus aus dem Fahrzeug! […] Sie haben den Panzer umstellt, ihre eigenen geschrottet, kletterten ins Fahrzeug, jagten sie raus und setzten sich zu mir rein. Das heißt, ich wusste nicht mal, mit wem ich da fahre. Das war so ein Mischmasch.“
Teil 6: Das strategische Ass: Die Sprengung des Kozorovytschi-Damms
Ein entscheidender Wendepunkt bei der Verteidigung Kiews war die gezielte Sprengung des Damms in Kozorovytschi. Die Panzerkommandanten erlebten die Auswirkungen hautnah. Als das eiskalte Wasser der Flussaue nach unten schoss, schnitt es den vorrückenden russischen Fallschirmjägern jeglichen Rückzugsweg über den Fluss Irpin ab:
„Und dadurch, dass der Damm gesprengt wurde, blieb die meiste Technik der Russen stecken. Sobald sie in der Flussaue stecken blieb, fingen unsere Grads an zu arbeiten. Und dadurch haben wir sie ordentlich dezimiert. Dort auf diesen Abschnitt fielen gut 3-4 Hundert Tonnen Metall. Und man hat sie dort lange weichgeklopft. Man hat sie in die Zange genommen, die Fallschirmjäger umzingelt.“
Die russischen Truppen saßen in der nassen Falle, während die ukrainischen Verbände – darunter Speznas, der Rechte Sektor, Aidar-Freiwillige und Einheiten der Nationalen Polizei – die eingekesselten Invasoren systematisch ausschalteten.
Teil 7: Die bittere Wahrheit über westliche Technik an der Saporischschja-Front
Nach den Erfolgen bei Kiew wurde die taktische Gruppe „Adam“ an den südlichen Frontabschnitt in Richtung Saporischschja verlegt, um die dortigen russischen Befestigungen der berüchtigten „Surowikin-Linie“ zu durchbrechen. Hier machten die ukrainischen Panzersoldaten umfassende Erfahrungen mit westlichen Kampfpanzern wie dem Leopard 2 – und ihre Kritik an der europäischen Militärlogistik und -konstruktion ist vernichtend.
Zwar loben sie die überragende Präzision des Leoparden auf große Distanzen („Ich halte ihn für einen Scharfschützen. Das ist kein Durchbruchspanzer“) sowie die enorme Widerstandskraft der Frontpanzerung, doch die Mängel im Detail wiegen schwer:
- Tödliche Schwachstelle am Turmdach: Das Dach des Leoparden ist flach und extrem dünn. „Und wenn eine 120er-Mine einschlägt, bleibt an der Stelle des Menschen einfach nichts übrig. Der Fahrer-Mechaniker wurde sofort getötet. Solche Nuancen gab es.“ Die Ukrainer mussten die Panzer in Feldwerkstätten mühsam eigenhändig mit Reaktivpanzerung modifizieren.
- Fehlende Splittermunition: Dem Leoparden fehlt eine hocheffiziente Sprenggranate zur Bekämpfung feindlicher Infanterie. Die Besatzungen mussten über absurde Umwege uralte Sprenggranaten aus Israel importieren, da die deutschen Universalgranaten gegen Schützengräben weniger Wirkung erzielen als alte französische Phosphor-Granaten.
- Das logistische Ölsorten-Chaos: Die Wartung des Leopard 2A6 im Feld ist ein Albtraum. Während die schwedische Modifikation Strv 122 mit nur zwei Ölsorten (für Wanne und Turm) auskommt, benötigt der deutsche 2A6 sage und schreibe 16 verschiedene Ölsorten. „Hierhin eine Sorte. Dorthin eine andere Sorte. Hierhin bloß ein Tröpfchen. Und wo soll man das herbekommen?“
- Katastrophaler Ersatzteilmangel: Ersatzteile für westliche Panzer zu bekommen, dauert oft ein halbes Jahr. Und die Qualität der gelieferten Depotteile ist mangelhaft: „Ein halbes Jahr auf das Ersatzteil eines Relaisreglers warten. Und es kommt mit Erde innen drin an. […] Da kommt es an, du machst es auf, und da ist alles grün, Gras. Das heißt, die Qualität der Vorbereitung war in dieser Richtung sehr lausig.“
Gleichzeitig warnen die Offiziere eindringlich vor dem strategischen Übergewicht der russischen Rüstungsindustrie. Bei der Untersuchung erbeuteter russischer T-90-Panzer stellten sie fest, dass diese im Inneren komplett digitalisiert und trotz aller Sanktionen mit modernster High-End-Elektronik sowie Kraftstoffanlagen von Bosch aus Deutschland, Kanada, Schweden, Südkorea und den USA vollgestopft sind.
Teil 8: Jagd auf Leben und Tod – Das Duell mit dem Ka-52-Kampfhubschrauber
Das dramatische Finale ihrer Einsätze im Süden zeigt, wie schmal der Grat zwischen Leben und Tod im modernen Krieg ist. Während einer Offensive geriet die Einheit in einen Hinterhalt. Adams Panzer fuhr nur 30 Meter entfernt im Schutz eines Gehölzes, als er mitten auf eine Mine knallte:
„Und hier Adams Kiste einfach… qualmt, unklar. Verschwindet in einer Wolke. […] Er schießt nicht. Er hat es an den Ohren, und das war’s. Direkt auf einer Mine.“
Unter heftigem feindlichen Artilleriebeschuss gelang es der Besatzung um Andrij, den beschädigten Panzer mit Schleppseilen anzuhaken, während die Reaktivpanzerung störte und sie die Schrauben hektisch mit altem sowjetischen Werkzeug lösen mussten, weil die neuen Schlüssel im fernen Lager vergessen worden waren.
Kaum hatten sie Adams Panzer aus der Gefahrenzone gezogen, tauchte der Albtraum eines jeden Panzersoldaten am Himmel auf: ein russischer Ka-52-Alligator-Kampfhubschrauber. Ohne eigene Luftabwehr im Rücken – die Stinger-Teams saßen zehn Kilometer weiter hinten fest – blieb dem Fahrer nur die schiere Flucht im T-72 über ein komplett umgepflügtes, offenes Feld:
„Und dieses Mistvieh über uns. Das Feld ist umgepflügt. Und zwar komplett. Ich leg den sechsten Gang ein auf dem T-72. Er wurde bei mir nicht wärmer als 80 Grad. Ich bin 2 Kilometer, nicht bloß so, in 2 Minuten durchgerast. Wie bekloppt Gas gegeben, kam beim Gehölz an. Bin stumpf vor dem Hubschrauber abgehauen. Bei mir betrug die Temperatur 120. Stumpf komplett zum Kochen gebracht in 2 Minuten. Nun ja, über das gepflügte Feld.“
Die Bordkanone des Hubschraubers feuerte unentwegt, die Geschosse rissen die Äste und Bäume direkt über den Köpfen der Panzerbesatzung ab, doch die titanische Flucht gelang: Der kochende Motor hielt stand, und sie entkamen dem sicheren Tod.
Das Fazit der Frontoffiziere: „Gegen ein Brecheisen gibt es kein Mittel“
Die beiden Oberstleutnants blicken mit großer Sorge auf die militärische Trägheit Westeuropas. Die Bundeswehr und westliche Waffenhersteller wie Rheinmetall würden sich in eine völlig falsche Richtung vorbereiten, indem sie weiterhin tonnenschwere, unhandliche „Mastodons“ bauen, ohne die brutalen Lehren des Ukraine-Krieges zu berücksichtigen. An der Front dominieren heute russische Gleitbomben (KABs), gegen die es bisher kaum ein wirksames Mittel gibt : „Gegen ein Brecheisen gibt es kein Mittel. Nun, und wir haben auch keine Gegenmaßnahme gegen die KABs gefunden. Gibt es nicht.“ Wo ein westlicher Pedant berechnet, dass ein Kilogramm Sprengstoff ausreicht, wirft der Russe einfach eine hunderte Kilogramm schwere Bombe ab.
Gleichzeitig warnt die Gruppe „Adam“ davor, die russische Armee als bloße Karikatur abzutun:
„Das werden Berufssoldaten sein, Militärs, die ausgebildet sind, die das moderne Schlachtfeld kennen, die modernen Methoden und Maßnahmen kennen. Es gibt immer das Schmiermittel für den Ball und den Ball selbst. Hier ist das Hauptproblem, dass alle eine Karikatur eines Obdachlosen zeigen, der in den Angriff geht, aber niemand zeigt die Panzerarmee, die in der Ferne steht. Und sie ist eingespielt, sie fährt, sie ist führbar.“
Wenn Europa und insbesondere Deutschland nicht schnellstens lernen, ihre Luftverteidigungssysteme wie Patriot oder NASAMS im Gelände akribisch zu tarnen und zu verlegen, anstatt sie permanent ungeschützt auf Bergen stehenzulassen, wird im Ernstfall eine einzige billige Drohne ausreichen, um 30-Millionen-Euro-Systeme in zehn Minuten zu vernichten. „Auf den Panzer darf man in Zukunft nicht verzichten“, schließen die Männer, aber er muss leichter werden (32–36 Tonnen), vollautomatisiert als ferngesteuerte Drohne agieren können und vor allem: Die Soldaten müssen endlich aufhören, in behaglichen Büros von Gehalt zu Gehalt zu leben, und anfangen, die Realität des Krieges zu studieren.