Das „Schaschlik“-Dilemma und die Helden von Hostomel: Wie das Verschweigen der Kriegsgefahr die ukrainische Wirtschaft Hunderte Millionen kostete
Als Kyivs Führung die Invasionsgefahr weglächelte, traf es die Industrie unvorbereitet. Während vor den Toren der Glasfabrik Vetropack in Hostomel ein russischer Panzerverband im GUR-Hinterhalt brannte, rettete ein mutiges Team unter Lebensgefahr die kochenden Öfen. Die Chronik eines vermeidbaren Wirtschaftsdramas.
Als der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 19. Januar 2022 in seiner berühmten Fernsehansprache die Bevölkerung beruhigte und versprach, man werde im Mai „wie gewohnt Sonne, Wärme und Schaschlik“ genießen, ahnten die Verantwortlichen in den Schlüsselindustrien des Landes nicht, welcher logistische und technische Albtraum ihnen bevorstach. Die politische Führung verfolgte das Ziel, eine Massenpanik, den sofortigen Kollaps des Bankensystems und die Flucht von Investoren zu verhindern. Doch das bewusste Herunterspielen der akuten Invasionsgefahr hinterließ die ukrainische Wirtschaft und Industrie weitgehend schutzlos.
Nirgendwo zeigte sich dieses wirtschaftliche Drama so konzentriert wie im strategischen Knotenpunkt Hostomel im Norden von Kyiv – Heimat des internationalen Frachtflughafens und einer der bedeutendsten Industrieanlagen der Region: der Traditions-Glashütte PrJSC Vetropack Gostomel Glass Factory.
Das industrielle Herz vor den Toren Kyivs
Die Glasfabrik in Hostomel ist nicht irgendein Industriebetrieb; sie ist ein historisches und wirtschaftliches Schwergewicht. Ihre Geschichte reicht bis in das Jahr 1912 zurück, als die Kyiver Provinzverwaltung die Erlaubnis zum Bau erteilte – damals unter der strengen ökologischen Auflage, dass der nahegelegene Fluss Irpin unverschmutzt bleiben müsse. Über ein Jahrhundert lang entwickelte sich das Werk von der Fertigung einfacher Petroleumlampen und Parfümflacons zu einer hochmodernen Anlage für High-Tech-Glasbehälter.
Anfang 2006 übernahm die Schweizer Vetropack-Gruppe die Glashütte. Für den Investor war das Werk ein strategischer Volltreffer: Im Jahr 2021 erwirtschaftete der Standort Hostomel mit seinen drei mächtigen Schmelzwannen und acht hochkomplexen Produktionslinien rund 10 Prozent des gesamten Umsatzes und EBITDA der europäischen Vetropack-Gruppe. Sie war der unangefochtene Hauptlieferant für die ukrainische Lebensmittel- und Getränkeindustrie.
Der Tag, an dem die Öfen kochten: Die wahre Rettung auf dem Fabrikboden
Als am Morgen des 24. Februar 2022 der russische Überfall begann und die ersten Hubschrauber den nahegelegenen Antonov-Flughafen angriffen, reagierte die oberste Führungsebene formal korrekt: General Manager Pavel Prinko ordnete aus Sicherheitsgründen die sofortige Schließung des Werks an und stellte alle rund 600 Mitarbeiter bei vollem Lohn frei, damit sie sich in Sicherheit bringen konnten.
Doch ein Glaswerk lässt sich nicht wie ein Büro per Lichtschalter ausschalten. In den drei gigantischen Schmelzwannen kochte die flüssige Glasmasse bei Temperaturen von weit über 1.000 °C. Wenn in einer Glashütte die Energiezufuhr für Strom und Gas abrupt abreißt, zieht sich das Material unkontrolliert zusammen, die feuerfesten Spezialziegel zerspringen und der Ofen explodiert oder kollabiert vollständig. Das Werk wäre für immer tot gewesen.
Während die Bomben fielen, schlug die Stunde des technischen Direktors Nikolay Marchenko und seines kleinen, loyalen Kernteams aus ukrainischen Facharbeitern. Während das Management die Evakuierung koordinierte, weigerten sich Marchenko und seine Männer, die Anlage einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Unter extremem Zeitdruck und Lebensgefahr leiteten sie ein hochentzündliches, präzises Notfall-Ablassen (Draining) der kochenden Glasmasse ein.
Mit zischendem Dampf und unter unerträglicher Hitze transportierten sie das flüssige Glas kontrolliert aus den Hauptwannen ab. Weil die Strom- und Gasversorgung kurz darauf durch die Gefechte endgültig weggesprengt wurde, fror zwar ein Teil des verbliebenen Restglases in den Zuleitungen ein, aber die strukturelle Hülle von zwei der drei Schmelzwannen wurde durch diese heroische Tat gerettet. Sie explodierten nicht. Nikolay Marchenko und sein Team hielten buchstäblich das Fundament für die Zukunft der Fabrik in den Händen, während draußen der Krieg tobte.
Der russische Einmarsch und das taktische Kalkül
In den Tagen nach dem 24. Februar drangen russische Luftlandetruppen (VDV) und nachrückende mechanisierte Einheiten gezielt in das Industriegebiet und auf das Gelände der Glasfabrik ein. Ihr Motiv war rein militär-taktischer Natur: Das weitläufige Vetropack-Areal bot mit seinen massiven Fabrikhallen, unterirdischen Versorgungsleitungen und schweren Betonmauern eine hervorragende Deckung gegen ukrainischen Artilleriebeschuss. Die Russen verschanzten sich dort und nutzten die Fabrik als logistischen Stützpunkt für ihren geplanten entscheidenden Vorstoß auf die Hauptstadt Kyiv.
Die Verteidigung in diesem Sektor wurde im Wesentlichen von der vor Ort stationierten 4. Brigade der ukrainischen Nationalgarde (einer schwer bewaffneten Elite-Infanteriekomponente) getragen, die den ersten Stoß abfing. Unterstützt wurden sie von der schweren Artillerie der 72. Mechanisierten Brigade der regulären Armee, die die russischen Stellungen auf dem Fabrikgelände aus der Ferne unter Feuer nahm.
Ein russischer BDM 4 wurde in Hostomel nahe der Glasfabrik außer Dienst gesetzt.
Der Hinterhalt vom 3. März: Ein kleiner, triumphal gefeierter Sieg
Am 3. März 2022 gelang den Ukrainern direkt an den Mauern der Glasfabrik ein taktischer Geniestreich. Spezialkräfte des ukrainischen Militärgeheimdienstes (GUR MO) – darunter erfahrene Einheiten des „Shaman“-Bataillons – koordinierten gemeinsam mit der Nationalgarde und lokalen Widerstandskämpfern einen verheerenden Hinterhalt.
Sie ließen eine Elite-Panzerkolonne der russischen 31. Luftsturm-Brigade tief in die engen Straßenabschnitte direkt am Fabrikgelände einfahren. Durch das gezielte Ausschalten des ersten und letzten Fahrzeugs mit Panzerabwehrwaffen saßen die leichten russischen BMD-Luftlandepanzer in der Falle. Um exakt 18:30 Uhr an diesem Abend setzte das GUR die erlösende Meldung ab: „Der Kampf um die Kontrolle der Stadt Hostomel geht weiter. Im Gebiet der lokalen Glasfabrik wurden bis 18:30 Uhr bereits 10 feindliche Luftlandepanzer zerstört.“ Für die VerteidigerKyiv Kyivs war dies ein unschätzbarer psychologischer und militärischer Erfolg. Die ausgebrannten Wracks direkt vor den Zäunen von Vetropack bewiesen der Welt, dass die vermeintlich unbesiegbare russische Elite geschlagen werden konnte.
Die unsichtbaren Kosten des Schweigens: Was eine Vorwarnung bewirkt hätte
Trotz des militärischen Teilerfolgs hinterließ der Krieg an der Fabrik ein Trümmerfeld. Eine Schmelzwanne wurde durch einen direkten Bombentreffer irreparabel zerstört. Hier zeigt sich die bittere Kehrseite der politischen „Schaschlik“-Beruhigungsstrategie. Wäre die Wirtschaft und Industrie nur zwei Wochen vor dem 24. Februar offiziell und konkret gewarnt worden, hätten die wirtschaftlichen Schäden drastisch minimiert werden können:
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Das kontrollierte Ablassen ohne Terror: Nikolay Marchenko und sein Team hätten die Öfen in aller Ruhe, Perfektion und ohne den Druck herannahender Panzer vollständig entleeren können. Das spätere, extrem aufwendige Heraushämmern des erstarrten Restglases wäre entfallen.
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Evakuierung von Werten: Millionen bereits produzierter Glasverpackungen, teure importierte Rohstoffe, hochsensible IT-Infrastrukturen und die modernen Steuerungscomputer der Produktionslinien hätten demontiert und in den sichereren Westen der Ukraine transportiert werden können.
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Das Drama der Logistik-Hubs: Hostomel war das logistische Herz von Kyiv. Direkt am Flughafen befand sich das hochmoderne Wartungszentrum von Antonov. Weil das Management nicht rechtzeitig gewarnt wurde und zögerte, wurde das größte Frachtflugzeug der Welt, die An-225 „Mrija“, im Hangar zerstört, obwohl sie flugfähig gewesen wäre. Großlager in der Nachbarschaft, wie das Zentrallager des Elektronikriesen Foxtrot oder das West Gate Logistic-Zentrum (Stojanka), in dem die edlen Wein- und Lebensmittelvorräte von GoodWine im Wert von über 15 Millionen Euro lagerten, brannten vollständig nieder. Waren im Gesamtwert von hunderten Millionen Dollar wurden vernichtet, weil keine Zeit für eine geordnete logistische Evakuierung blieb.

Ein russischer BDM 2 wurde zur Expplosion gebracjht. Die Leichen der Soldaten liegen auf dem Panzer.
Beispiellose Solidarität und der lange Weg zurück
Was nach dem Abzug der russischen Truppen Ende März folgte, war ein Symbol für den unbezwingbaren Geist der Belegschaft und die Solidarität innerhalb der Vetropack-Gruppe.
Um den Mitarbeitern zu helfen, deren Häuser in Hostomel, Butscha und Irpin dem Erdboden gleichgemacht worden waren, gründete der Konzern im Sommer 2022 die Vetropack Stiftung Gostomel. Kollegen aus ganz Europa, Kunden und Geschäftspartner spendeten innerhalb kürzester Zeit 960.000 Schweizer Franken. Anfang 2023 flossen die ersten Gelder direkt an die betroffenen Familien vor Ort, um ihnen ein neues Dach über dem Kopf zu ermöglichen.
Gleichzeitig begann in der Fabrik der technische Kraftakt. Arbeiter mussten das tonnenschwere, hart gewordene Glas blockweise von Hand aus den geretteten Öfen herausschlagen. Um das Werk gegen zukünftige Krisen zu wappnen, wurde das gesamte elektrische Verteilersystem umgebaut, riesige Notstromgeneratoren installiert und autarke Engineering-Szenarien für den Fall von Gas-Lieferstopps entwickelt.
Am 25. Mai 2023 – etwas mehr als ein Jahr nach der Zerstörung – folgte der emotionale Höhepunkt: Vetropack feuerte die erste der verbliebenen Schmelzwannen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wieder an. Im Jahr 2024 ging schließlich auch die zweite Schmelzwanne erfolgreich ans Netz.
Heute arbeiten wieder über 300 Mitarbeiter in Hostomel. Die Fabrik liefert wieder hochwertige Verpackungen und steht als monumentales, sachliches Zeugnis dafür, wie viel Zerstörung politisches Schweigen anrichten kann – und wie viel Resilienz ein engagiertes Team am Fabrikboden dem entgegenzusetzen vermag.
Die militärischen Auseinandersetzungen
Wer hat gekämpft?
In und um Hostomel – einschließlich des Industriegebiets der Glasfabrik – trafen russische Luftlandetruppen (VDV) und mechanisierte Bodeneinheiten, die über Belarus vorstießen, auf erbitterten ukrainischen Widerstand. Die Verteidigung von Hostomel wurde im Wesentlichen getragen von:
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Der 4. Brigade der Nationalgarde der Ukraine (Schnelle Eingreiftruppe)
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Elementen der 72. Mechanisierten Brigade
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Ukrainischen Spezialeinheiten (SOF) und lokalen Territorialverteidigungseinheiten
Wann war das genau?
Die Kämpfe begannen unmittelbar am ersten Tag der Invasion, dem 24. Februar 2022, mit dem russischen Hubschrauberangriff auf den nahegelegenen Flughafen. Die schwersten Zerstörungen an der Fabrik selbst ereigneten sich durch Artilleriebeschuss und Luftangriffe Ende Februar und in der ersten Märzwoche 2022. Am 6. März 2022 vermeldete Vetropack offiziell die schwere Beschädigung des Werks. Die Region wurde Ende März 2022 von den ukrainischen Truppen wieder befreit.
1. Wann kamen die Russen genau zur Fabrik?
Die russischen Streitkräfte erreichten das Industriegebiet rund um die Glasfabrik in den Tagen direkt nach dem ersten Angriff. Während die Hubschrauberlandung am Flughafen Hostomel am Morgen des 24. Februar 2022 stattfand, sickerten russische Truppen (sowohl die Luftlandetruppen/VDV vom Flughafen als auch nachrückende Panzerverbände aus Belarus) in den darauffolgenden Tagen in die eigentliche Stadt Hostomel ein.
Das Fabrikgelände wurde ab dem 25./26. Februar 2022 zu einer umkämpften Zone und blieb es bis zur ersten Märzwoche. Die entscheidende militärische Konfrontation direkt an der Glasfabrik fand am 3. März 2022 statt.
2. Warum drangen die Russen in eine Glasfabrik ein?
Die russischen Soldaten suchten die Fabrik nicht aus wirtschaftlichen Gründen auf, sondern aus rein militär-taktischen Motiven:
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Deckung und Befestigung: Das Vetropack-Werk war ein riesiges Areal aus massiven Industriebauten, Lagerhallen und unterirdischen Versorgungsstrukturen. Im Häuser- und Stellungskampf bieten solche Fabriken hervorragenden Schutz vor Artillerie und Luftangriffen. Die Russen verschanzten sich dort und nutzten das Gelände als logistischen Stützpunkt für den weiteren Vorstoß auf Kyiv.
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Strategische Achse: Hostomel und insbesondere seine Industriegebiete lagen auf der Hauptvormarschachse der russischen Armee in Richtung der Kyiver Vororte Butscha und Irpin. Wer die Fabriken kontrollierte, kontrollierte die Straßenkreuzungen.
3. Wer hat hauptsächlich gekämpft – Nationalgarde oder Armee?
Es war eine kombinierte Operation, aber die Nationalgarde spielte eine absolute Schlüsselrolle, besonders in den ersten Tagen.
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Warum die Nationalgarde? Das liegt an der Struktur der ukrainischen Verteidigung. In Hostomel befand sich die permanente Basis der 4. Brigade der Nationalgarde der Ukraine (auch bekannt als Schnelle Eingreiftruppe oder heute Brigade „Rubizh“). Diese Einheit ist keine normale Polizei, sondern eine schwer bewaffnete, nach NATO-Standards ausgebildete Elite-Infanteriekomponente. Da sie direkt vor Ort stationiert waren, fingen sie den ersten Stoß ab.
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Das Zusammenspiel: Während die Nationalgarde am Boden in Hostomel und direkt an der Fabrik die Infanteriekämpfe austrug, wurde sie massiv von der 72. Mechanisierten Brigade der regulären ukrainischen Armee (ZSU) unterstützt. Die Armee steuerte die schwere Artillerie bei, die aus sicherer Entfernung die russischen Stellungen auf dem Fabrikgelände beschoss. Zudem waren Spezialeinheiten des militärischen Geheimdienstes (GUR) an den Hinterhalten beteiligt.
Gab es Tote?
Ja, und zwar erhebliche Verluste auf militärischer Seite.
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Zivile Angestellte der Fabrik: Aufseiten der Belegschaft der Glasfabrik selbst gab es durch die schnelle Evakuierung und das Not-Herunterfahren durch das Management um Pavel Prinko am 24. Februar keine Toten oder Verletzten. Das Werk war rechtzeitig leer. (Tragischerweise wurde jedoch der Bürgermeister von Hostomel, Jurij Prylypko, am 7. März in der Stadt von russischen Soldaten erschossen, als er Essen und Medizin an Bürger verteilte).
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Die russischen Verluste (Der Hinterhalt an der Glasfabrik): Am 3. März 2022 lockten ukrainische Einheiten (darunter GUR-Spezialkräfte und Nationalgardisten) eine russische Fahrzeugkolonne direkt an der Glasfabrik Vetropack in einen verheerenden Hinterhalt. Laut Berichten des ukrainischen Geheimdienstes wurden bei diesem Gefecht an der Glasfabrik zehn russische Luftlandepanzer (BMDs) zerstört. Bild- und Videomaterial von den Straßen direkt neben der Fabrik zeigten danach ein Trümmerfeld aus ausgebrannten russischen Panzern und zahlreichen gefallenen VDV-Soldaten.
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Ukrainische Verluste: Auch die 4. Nationalgarde-Brigade erlitt in den wochenlangen, erbitterten Kämpfen um Hostomel schwere Verluste. Mehrere Soldaten der Brigade wurden für ihren Einsatz in dieser Schlacht später posthum mit dem Titel „Held der Ukraine“ ausgezeichnet (wie z. B. Oberstleutnant Bohdan Leschtschyschyn).
Laut Berichten des ukrainischen Geheimdienstes GZUR wurden bei diesem Gefecht an der Glasfabrik zehn russische Luftlandepanzer (BMDs) zerstört.
Wer kämpfte am 3. März an der Glasfabrik?
Der Kampf an der Glasfabrik war kein klassisches Aufeinandertreffen regulärer Linieninfanterie, sondern ein koordiniertes Lehrbuchbeispiel für asymmetrische urbane Kriegsführung. Die ukrainische Seite bestand aus einer sogenannten „kombinierten Gruppe“ unter dem Kommando des GUR:
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GUR-Spezialkräfte: Elite-Einheiten des Geheimdienstes (darunter Einheiten wie das berüchtigte „Shaman“-Bataillon, das für Spezialoperationen hinter feindlichen Linien bekannt ist).
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Das 3. Sonderregiment der SSO: Einheiten der ukrainischen Special Operations Forces (SSO), speziell ausgebildet für Hinterhalte und Antiterroreinsätze.
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Lokale Widerstandsgruppen: Zivilisten und Freiwillige aus Hostomel, Butscha und Irpin, die in den Tagen zuvor von GUR-Instruktoren im Schnelldurchlauf an Panzerabwehrwaffen ausgebildet worden waren.
Auf der Gegenseite: Die russische Elite
Die Kolonne, die in den Hinterhalt geriet, gehörte zu den russischen Luftlandetruppen (VDV), konkret der 31. Separaten Garde-Luftsturm-Brigade aus Uljanowsk. Diese Einheiten galten als absolute Elite der russischen Armee.
Der exakte Ablauf des Hinterhalts (3. März 2022)
Die russischen VDV-Truppen versuchten, die Straßen rund um die Glasfabrik Vetropack als geschützten Korridor zu nutzen, um weiter in Richtung der Kyiver Vororte vorzustoßen. Die massive Struktur der Fabrik sollte ihnen dabei als Deckung dienen.
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Die Falle: Die ukrainischen Spezialkräfte nutzten die engen Straßenabschnitte direkt am Fabrikgelände. Sie ließen die russische Panzerkolonne (bestehend aus BMD-3 und BMD-4 Luftlandepanzern) tief in die urbane Zone einfahren.
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Der Schlag: Durch das gezielte Ausschalten des jeweils ersten und letzten Fahrzeugs der Kolonne (meist mit westlichen NLAW- oder Javelin-Panzerabwehrlenkwaffen sowie ukrainischen Stugna-P) wurde die Kolonne blockiert. Die leichten russischen Aluminium-Panzer (BMDs) saßen in der Falle.
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Der GUR-Bericht: Um 18:30 Uhr am 3. März 2022 setzte das GUR eine Eilmeldung ab: „Der Kampf um die Kontrolle der Stadt Hostomel geht weiter. Im Gebiet der lokalen Glasfabrik wurden bis 18:30 Uhr bereits 10 feindliche Luftlandepanzer zerstört.“
Insgesamt zerstörten die ukrainischen Einheiten allein an diesem 3. März im Stadtgebiet von Hostomel 20 BMDs.
Das Ergebnis des Gefechts
Am darauffolgenden Tag (4. März 2022) veröffentlichte das GUR ein Update zum Ausgang der zweitägigen schweren Straßenkämpfe in diesem Sektor:
Über 50 tote russische Fallschirmjäger der 31. Brigade.
Reiche Beute: Die ukrainischen Spezialkräfte erbeuteten intakte Waffen, militärisches Gerät, Kommunikationsausrüstung und wichtige interne Dokumente der russischen Einheit.
Umverteilung: Funktionierende Waffen und Munition aus den russischen Beständen wurden noch am selben Abend an die lokalen ukrainischen Widerstandskämpfer vor Ort verteilt, um die Verteidigungslinie zu halten.
Fotos und Videos, die kurz nach dem Gefecht von ukrainischen Soldaten und überlebenden Anwohnern in den sozialen Medien geteilt wurden, zeigten das apokalyptische Bild dieser Straße: Eine lange Kette völlig ausgebrannter, teils zerrissener BMD-Panzerwracks direkt vor den Mauern und Zäunen der Glasfabrik Vetropack.
Hier sind Aufnahmen der zerstörten russischen BMD-Panzerkolonnen aus den Kämpfen in Hostomel Anfang März 2022, die das Ausmaß des Hinterhalts verdeutlichen:
In den Kämpfen um Hostomel beschädigter BMD-2 der 31. Luftangriffsbirigade der Russischen Föderation mit toten Soldaten der Einheit
Diese Bilder stammen aus den Tagen direkt nach dem Gefecht und wurden sowohl von ukrainischen Einheiten als auch von internationalen Fotojournalisten dokumentiert. Sie zeigen die völlig ausgebrannten und durch die Wucht der Explosionen zerrissenen Wracks der russischen Luftlandetruppen (VDV) in den Straßen von Hostomel.
Schäden an der Fabrik
Die Zerstörungen an der Infrastruktur (Produktionshallen, Dächer, Stromversorgung) waren massiv. Das Werk verfügte vor dem Krieg über drei Schmelzwannen (Glasöfen) und acht Produktionslinien:
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Ofen 1: Wurde durch einen direkten Treffer einer Fliegerbombe irreparabel zerstört.
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Ofen 2 und 3: Blieben in ihrer Grundstruktur erhalten, erlitten jedoch erhebliche Schäden. Weil durch die Kämpfe schlagartig Gas und Strom ausfielen, kühlte das flüssige Glas in den Öfen unkontrolliert ab und fror ein (es erstarrte zu einem riesigen, soliden Glasblock im Inneren).
Die „Rettung“ der Glasöfen: Wer und Wie?
Wer war der Leiter?
Der verantwortliche Spitzenmanager vor Ort war Pavel Prinko (General Manager der Vetropack-Geschäftseinheit Ukraine/Moldau), unterstützt vom damaligen technischen Direktor Nikolay Marchenko und einem loyalen Kernteam aus ukrainischen Facharbeitern.
Wie lief die Rettung ab?
Das Wort „Rettung“ ist in der Glasindustrie ein hochtechnischer Begriff. Ein Glasofen arbeitet bei Temperaturen von weit über 1.000 °C. Wenn die Energiezufuhr abrupt abreißt, zieht sich das Material beim Abkühlen ungleichmäßig zusammen, was die feuerfesten Spezialziegel sprengt und den Ofen komplett zerstört.
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Die Blitz-Entscheidung am 24. Februar: Unmittelbar bei Ausbruch der Kämpfe am Morgen des 24. Februar leitete das Management ein geordnetes Not-Herunterfahren der Produktion ein. Alle rund 600 Mitarbeiter wurden sofort bei vollem Gehalt freigestellt, um sich in Sicherheit zu bringen.
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Das kontrollierte Abkühlen: Durch das schnelle Eingreifen des verbliebenen Technikteams wurden die Öfen so weit wie unter Gefechtsbedingungen möglich kontrolliert heruntergefahren. Zwar verhinderte der totale Energie- und Logistikausfall, dass das flüssige Glas noch rechtzeitig vollständig abgelassen werden konnte (weshalb es einfror), aber die strukturelle Hülle von zwei der drei Öfen wurde gerettet. Sie explodierten nicht und kollabierten nicht völlig.
Das glückliche Ende im Wiederaufbau
Weil die Hüllen zweier Öfen gerettet wurden, war die Fabrik nicht tot. Nach der Befreiung der Region begann ein Kraftakt:
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Arbeiter mussten das tonnenschwere, im Ofen erstarrte Glas manuell und blockweise herausschlagen.
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Nach umfangreichen Reparaturen wurde im Mai 2023 der erste der geretteten Öfen wieder hochgefahren und die Produktion von Weißglas für Lebensmittel vorsichtig wieder aufgenommen.
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Bis Mitte 2025 gelang es Vetropack sogar, auch den zweiten geretteten Ofen komplett instand zu setzen und wieder in Betrieb zu nehmen, sodass das Werk heute wieder einen Großteil seiner ursprünglichen Kapazität erreicht hat.
Wer ist Pavel Prinko? (Hintergrund & Karriere)
Pavel A. Prinko (in ukrainischer Schreibweise Pavlo Prynhko) ist gebürtiger Ukrainer, verfügt jedoch über ein stark internationales Profil:
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Die US-Verbindung: Vor seinem Wechsel zu Vetropack verbrachte Prinko viele Jahre in den USA, wo er Spitzenpositionen in der amerikanischen Verpackungs- und Glasindustrie innehatte. Dadurch brachte er ein extrem tiefes, westlich geprägtes technisches und betriebswirtschaftliches Know-how zurück in die Ukraine.
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Eine düstere Koinzidenz beim Start: Prinko übernahm den Chefposten bei Vetropack Gostomel als General Manager der Business Unit Ukraine/Republik Moldau am 24. Februar 2017. Er trat die Nachfolge des langjährigen Leiters Andriy Girnyk an. Auf den Tag genau fünf Jahre später – am 24. Februar 2022 – begann der russische Angriff auf sein Werk.
Statements und Interviews zum Wiederaufbau (2023–2025)
Nach dem Ausbruch des Krieges hielt sich Prinko aus Sicherheitsgründen und wegen des laufenden Konflikts mit persönlichen Homestories zurück. Sobald es jedoch an den Wiederaufbau des Werks ging, wurde er zum Gesicht des „ukrainischen Wirtschaftswunders“ von Hostomel. Er gab zahlreiche Statements für europäische Fachmedien (wie das packaging journal, Foodaktuell oder das konzerneigene Magazin Vetrotime):
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Im Mai 2023 (beim Anfeuern des ersten Ofens): Hier wurde er international zitiert mit den emotionalen und zugleich pragmatischen Worten:
„Aktuell sind wir sehr glücklich darüber, die Produktion wieder aufnehmen zu können. Der heimische Markt erholt sich langsam und viele Firmen nehmen die Produktion wieder auf.“ Er erklärte in diesen Interviews detailliert die logistischen Herausforderungen – etwa, wie das Werk durch massive Notstromaggregate und veränderte Gas-Infrastrukturen „blackout-sicher“ gemacht wurde.
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Mitte 2025 (Inbetriebnahme des zweiten Ofens): Auch hier stand er im Fokus der Berichterstattung, als das Werk fast wieder seine alte Kapazität erreichte. Der CEO des Gesamtkonzerns, Johann Reiter, lobte Prinko in einer offiziellen Mitteilung außerordentlich für seinen „herausragenden Einsatz unter diesen äußerst schwierigen Umständen“.
Seine Philosophie in der Krise
Was Pavel Prinko in der Industrie einen hervorragenden Ruf eingebracht hat, ist sein Management-Stil während der Katastrophe. In den Berichten von Vetropack wird deutlich, dass für ihn die menschliche Komponente über den Maschinen stand.
Er organisierte am Morgen des Angriffs nicht nur das kontrollierte Herunterfahren der Öfen, sondern sorgte dafür, dass die rund 600 Mitarbeiter trotz des Produktionsstopps und der Zerstörung der Fabrik finanziell abgesichert wurden. Später gründete der Konzern die „Vetropack Stiftung Gostomel“, um Mitarbeitern, deren Häuser in Hostomel oder Butscha zerstört wurden, direkt finanziell beim Wiederaufbau zu helfen – ein Projekt, das Prinko vor Ort maßgeblich koordinierte.
Das erwähnte Strategie-Interview mit Pavel Prinko (ukrainisch Pavlo Prynhko) konnte im Archiv des ukrainischen Fachportals Packaging.com.ua (Упаковка) aus dem Jahr 2017 ausfindig gemacht werden. Es wurde kurz nach seinem dortigen Amtsantritt geführt und bietet einen tiefen Einblick in seine Denkweise und seine Pläne für das Werk vor dem Krieg.
Hier ist die vollständige deutsche Übersetzung des Interviews:
Pavel Prinko, Vorstandsvorsitzender der Glasfabrik Vetropack Gostomel
Anfang 2017 wurde ein neuer Leiter für das Vetropack-Werk in Gostomel ernannt. Pavel Prinko, der neue Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, sprach über die Strategie des Unternehmens sowie über die Zukunft des Marktes für Glasverpackungen.
Welche aktuellen Faktoren tragen zur Stärkung der Position von Glasverpackungen auf dem Markt bei?
Pavel Prinko: Glasverpackungen sind unter allen anderen Verpackungsarten im Prinzip einzigartig. Ein Verpackungsmaterial wie Glas spricht für sich selbst. Man muss keine hochmodernen Faktoren erfinden, um die Position von Glas noch weiter zu stärken, denn die Eigenschaften dieses Materials offenbaren seine Marktposition von ganz allein. Warum? Glas ist ein natürliches und neutrales Material, das jegliche Produkte oder Getränke schützt.
Glasverpackungen bewahren den ursprünglichen Geschmack und das Aroma der darin enthaltenen Produkte. Gerüche, Aromen, Vitamine und die Frische hochwertiger Lebensmittel und Getränke bleiben über lange Zeit unverändert. Nichts gelangt vom Glas in das Produkt, nichts kann aus der Umwelt durch das Glas in das Produkt eindringen, und nichts entweicht nach draußen.
Glas ist inert, was bedeutet, dass sich Produkte, die mit Glas in Berührung kommen, nicht verändern. Dies ist ein gewichtiges Argument, insbesondere bei empfindlichen Produkten wie Babynahrung und Medikamenten oder sorgfältig hergestellten Lebensmitteln wie Milch, Gemüse und Saft.
Und einer der Hauptvorteile – es reagiert nicht mit anderen Substanzen und kann sicher wiederverwendet werden. Es kann unzählige Male geschmolzen und wiederverwendet werden, ohne jemals seine Eigenschaften zu verlieren. Die Wiederverwendung von Glas schont Ressourcen, spart Energie und reduziert CO2-Emissionen. Für Käufer und Verbraucher sind Faktoren wie Umweltfreundlichkeit, gesundheitlicher Nutzen und die sinnvolle Nutzung von Rohstoffen wichtige Aspekte bei der Kaufentscheidung.
Glas ist ein gesundes, hochwertiges Verpackungsmaterial, dessen Lebenszyklus sich durch vollständiges Recycling ständig erneuert. Genau aus diesem Grund hat Glas im Vergleich zu anderen Verpackungsarten den geringsten CO2-Fußabdruck. (Anm.: Der CO2-Fußabdruck ist ein ökologischer Indikator, der Auskunft über die Gesamt-CO2-Emissionen eines Materials während seines gesamten Lebenszyklus gibt.)
Welche strategischen Schritte wird Ihr Unternehmen unternehmen, um die Nachfrage nach hochwertigen Glasverpackungen zu befriedigen oder ihr voraus zu sein?
P. P.: Zuallererst orientiert sich unser Unternehmen an den aktuellen Trends und Marktanforderungen unserer Kunden – den Herstellern von Getränken und Lebensmitteln. Das heißt, wir gehen ständig in die gleiche Richtung wie sie, denn ihre Bedürfnisse spiegeln die Bedürfnisse und Anforderungen der Verbraucher selbst wider, die das letzte Glied bei der Wahl eines bestimmten Getränks oder Produkts sind. Die Verbindung und fruchtbare Zusammenarbeit zwischen uns als Verpackungshersteller und unserem Kunden als Hersteller des Endprodukts ist von entscheidender Bedeutung.
So ist Vetropack Gostomel nach internationalen Qualitätsstandards im Verpackungsbereich zertifiziert (ISO 9001- und ISO 22000-Zertifikate), was die Herstellung absolut sicherer Produkte im Werk garantiert, das Vertrauen der Kunden stärkt und unsere Absatzmärkte weit über die postsowjetischen Länder hinaus erweitert. Die Einhaltung des Lebensmittelsicherheitsstandards ISO 22000 ist nicht nur ein Stück Papier, das die hohe Qualität der Produkte bescheinigt, sondern ein einziges Managementsystem, das die Arbeit allen Abteilungen des Unternehmens im Rahmen verbindlicher internationaler Standards und Anforderungen vereint und kontrolliert – als Garantie für den verlässlichen Schutz der Verbraucher vor Gefahren, die mit Lebensmitteln einhergehen können.
Und zweitens ist die wirtschaftliche Situation des Landes ein wichtiger Faktor, der unbedingt berücksichtigt werden muss. Dieser Faktor wirkt sich direkt auf die Aktivitäten der Hersteller im Staatsgebiet und auf die Nachfrage nach der einen oder anderen Verpackung aus. Natürlich war die wirtschaftliche Lage der Ukraine in den letzten Jahren extrem schwierig, aber im Moment lassen sich bereits kleine positive Veränderungen prognostizieren. Wir glauben, dass sich die makroökonomische Stabilisierung positiv auf unsere Industrie auswirken wird, was wiederum die Nachfrage nach Glasverpackungen insgesamt erhöhen wird.
In welche Richtung arbeitet Ihr Unternehmen an Innovationen?
P. P.: Innovationen auf dem Markt der Glasindustrie sind kein Phänomen, das schnell umgesetzt werden kann. Sehr oft dauert es von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren, um ein bestimmtes Projekt erfolgreich zu realisieren. Wenn es jedoch an der Zeit ist, genau jetzt auf die Marktbedürfnisse zu reagieren, hat unser Unternehmen fertige Lösungen parat.
Für ein erfolgreiches Verpackungsdesign ist es wichtig, den Glashersteller von Anfang an in den Innovationsprozess einzubinden. Je präziser und genauer die Anforderungen an die zukünftige Verpackung an uns gestellt werden, desto effizienter und schneller verläuft deren Entwicklung. Unsere Spezialisten teilen gerne ihre langjährige Erfahrung.
So haben wir beispielsweise eine neue und für unser Land unbekannte Glasfarbe eingeführt – die Farbe „Cuvée“. Dies ist eine Neuheit für ukrainische Glasverpackungen, denn neben dem außergewöhnlichen Farbton der Flasche (einem satten Braun-Olive) erhält unser Kunde zusätzliche Vorteile für die Lagerung seiner Getränke: Je dunkler die Farbe, desto besser der Schutz vor Lichteinflüssen. Und dass Lichtstrahlung die Farbe von Lebensmitteln und Getränken verändern, zu Vitaminverlusten führen, den Geschmack verschlechtern sowie die Haltbarkeit des Produkts verkürzen kann, ist fast allen verantwortungsvollen Lebensmittel- oder Getränkeherstellern bekannt.
Darüber hinaus bestimmt die Farbe nicht nur die Funktionalität, sondern auch das Erscheinungsbild der Verpackung. Ein attraktives Erscheinungsbild verleiht dem Produkt eine klare Identität und präsentiert es strategisch richtig auf dem Markt.
Wie helfen Innovationen Ihren Kunden, ihr eigenes Geschäft zu verbessern?
P. P.: Innovationen ist ein Ansporn, ein Schritt nach vorn sowohl für uns Hersteller als auch für unsere Käufer. Um beim Thema der neuen Glasfarbe zu bleiben, ist zu erwähnen, dass wir Anfang dieses Jahres ein Projekt mit ukrainischen und italienischen Herstellern von Still- und Schaumweinen erfolgreich gestartet haben. In nur fünf Monaten haben wir über 4 Millionen Flaschen in der Farbe Cuvée abgesetzt. Unsere heimischen Partner waren PJSC „Koblevo“, LLC „Disna“, TD „Inkerman“ und andere. Sie waren Pioniere, die den Wunsch äußerten, von der typischen olivgrünen Flasche abzuweichen und etwas Ungewöhnliches auszuprobieren.
Nachdem sie in dieser Zeit sehr viele positive Rückmeldungen und de facto gute Ergebnisse erhalten haben, stellen unsere Partner nun komplett auf die neue Glasfarbe um. Jetzt steigen die Positionierung und das Image ihrer Produkte auf ein neues, noch höheres Niveau, wie ihre Bestellungen zeigen. Übrigens gewann der Wein der Marke „Vardiani“ von LLC „Disna“, der in unsere gewichtsreduzierte Weinflasche in der Farbe „Cuvée“ abgefüllt wird, im März 2017 den Wettbewerb „Ukrainischer Verpackungsstar“.
Wie sehen Sie die Entwicklung des Marktes für Glasbehälter?
P. P.: Die zukünftige Entwicklung der Glasindustrie hängt ausschließlich von der Wirtschaft der Ukraine ab. Wir beobachten derzeit, dass sich die makroökonomische Lage mehr oder weniger stabilisiert hat und sich verbessert. Wenn dieser Fortschritt, dieses Wachstum anhält, wird es natürlich automatisch das Wachstum aller Produktionszweige, einschließlich der Glasindustrie, nach sich ziehen.
Wird sich die Nachfrage nach Glasbehältern verändern? Sie hängt stark von den Maßnahmen des Staates ab und wird dies auch weiterhin tun. Wenn wir tatsächlich auf jene Gesetzesänderungen in der Ukraine warten, die das Recycling von Sekundärrohstoffen sowie die Sammlung und Entsorgung von Altglas betreffen, wird der Markt für Glasbehälter in einem rasanten Tempo wachsen. Denn Glas ist ein natürliches Material, das zu 100 % ohne Qualitätsverlust wiederverwendet werden kann. Und durch die Wiederverwendung entsteht weniger Abfall.
In Europa beispielsweise werden jedes Jahr zwei Drittel aller Glasflaschen in Container geworfen, das sind rund 30 Milliarden Flaschen, die wieder zu hochwertigen Glasbehältern werden. Darüber hinaus erfordert das Schmelzen von Altglas weniger Energie als das Schmelzen von Primärrohstoffen, was dementsprechend zu einer Verringerung der CO2-Emissionen in die Atmosphäre führt. Angesichts all dessen wird sich die Glasindustrie meiner Meinung nach unter solchen Bedingungen endlich normalisieren.
Ein abschließendes Statement von Pavel Prinko aus dem Porträt:
„Die Glasfabrik Gostomel ist ein Unternehmen mit einer hundertjährigen Geschichte, einer äußerst erfolgreichen Arbeitserfahrung und hochqualifiziertem Personal. Man kann sie als ein untypisches ukrainisches Unternehmen betrachten, da sie einer riesigen Familie gleicht, in der eigene Standards und Regeln, Methoden und Ansätze, Traditionen und Bräuche existieren. Wenn man ein integraler Bestandteil eines solchen ‚Organismus‘ wird, hat man nur ein Ziel vor Augen – alle Hauptaktivitäten und strategischen Pläne, die von der Vetropack-Gruppe und dem Management des Unternehmens genehmigt und umgesetzt wurden, zu vervollkommnen, zu verbessern und weiterzuentwickeln.“
Der betroffene Logistik-Hub in der Nähe
Der Nordwesten von Kyiv (die Achse Hostomel–Bucha–Irpin–Stojanka) war vor dem Krieg das logistische Herz der ukrainischen Hauptstadt. Entlang der Autobahn M-06 und rund um den Flughafen hatte sich die modernste Logistik-Infrastruktur des Landes konzentriert. Bei den Kämpfen wurden laut Analysten rund 20 bis 23 % der gesamten modernen Lagerkapazitäten der Region Kyiv komplett vernichtet.
Hier sind die prominentesten Logistik-Hubs in direkter Nachbarschaft zur Glasfabrik, die Sie für Ihr Buch nutzen können:
Der Flughafen Hostomel (Antonov Airport) selbst
Er war nicht nur ein militärisches Ziel, sondern der wichtigste internationale Luftfracht-Hub der Ukraine, die Heimatbasis von Antonov Airlines. Das prominenteste Opfer der mangelnden Evakuierung war die An-225 „Mriya“, das größte Frachtflugzeug der Welt. Sie stand am 24. Februar wegen Wartungsarbeiten flugfähig im Hangar. Weil die Führung des Antonov-Konzerns trotz Warnungen westlicher Geheimdienste zögerte und den Ernst der Lage unterschätzte, wurde das Flugzeug nicht rechtzeitig nach Deutschland ausgeflogen und im Hangar zerstört. (Gegen das damalige Antonov-Management wurde später wegen Dienstvergehens ermittelt).
Das „West Gate Logistic“-Zentrum (Stojanka)
Nur wenige Kilometer südlich von Bucha/Irpin, direkt an der Schytomyr-Autobahn, lag dieser riesige, hochmoderne Logistikkomplex (ca. 97.000 Quadratmeter, im Besitz von Dragon Capital).
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Was passierte: Die Russen beschossen und besetzten das Areal. Der gesamte Komplex brannte vollständig nieder.
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Die Auswirkung: Hier lagerte unter anderem das Zentrallager von GoodWine, dem größten Premium-Lebensmittel- und Weinimporteur der Ukraine. Waren im Wert von über 15 Millionen Euro wurden in einer einzigen Nacht zu Asche. Erst Jahre später, im Sommer 2025, begann der Wiederaufbau dieses Hubs durch einen neuen Investor.
Das Foxtrot-Zentrallager (Hostomel)
Foxtrot ist einer der größten ukrainischen Einzelhändler für Elektronik und Haushaltsgeräte. Ihr zentraler, riesiger Logistik-Hub befand sich direkt in Hostomel.
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Was passierte: Das Logistikzentrum wurde bei den Kämpfen Anfang März 2022 durch Artillerietreffer und anschließende Großbrände komplett dem Erdboden gleichgemacht.
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Die Auswirkung: Elektronikgeräte im Wert von mehreren Dutzend Millionen Dollar verbrannten oder wurden geplündert. Das Unternehmen verlor von heute auf morgen seine gesamte logistische Lieferfähigkeit für die Zentralukraine.

