Die Tagebücher des Grafen Lehndorf – Geheime Aufzeichnungen

Erst vor genau einhundert Jahren wurde dieses Buch erstmals verlegt. Der hier vorliegende Nachdruck entspricht vollständig dem Original von 1907, inklusive seines umfangreichen Registers. Nach Möglichkeit scannt der Berlin Story Verlag historische Werke und setzt sie dann neu. Gelegentlich darf man die uralten Bücher nicht aufklappen, auch nicht ausleihen.
Deswegen wurde in diesem Fall das Original des Buchs, in der Staatsbibliothek nur einmal vorhanden und nicht auszuleihen, fotografisch erfasst und neu gesetzt. Das ist ein ziemlich aufwendiger technischer Prozess, der mit mehr Handarbeit verbunden ist, als man sich laienhaft vorstellt. Wir möchten gern das Original dieses Werks zur Verfügung stellen. Immer wieder wurden wir in der Buchhandlung danach gefragt. Der Erfolg von »Neunundsechzig Jahre am Preußischen Hof – Aus den Erinnerungen der Oberhofmeisterin Sophie Marie Gräfin von Voss« (unkommentiert) hat uns dazu ermutigt, jetzt auch Lehndorff zu veröffentlichen. Das umfangreiche Werk kommentiert herauszugeben, wäre Aufgabe eines wissenschaftlichen Instituts. In unserem Verlag kam ja der von Dr. Gerd-H. Zuchold kommentierte Band von Büsching heraus, seine Reis nach Reckahn. Solche extremen Anstrengungen häufiger auf uns zu nehmen, lassen die Kapazitäten des kleinen Verlags nicht zu.
Andererseits wollten wir auch keine stark gekürzte Fassung anbieten. Es gab im Jahr 1982 eine auf 200 Seiten zusammengestrichene Ausgabe der Tagebücher. Damals war Preußen noch nicht wieder so angesagt, war es ein verlegerisches Wagnis, überhaupt an diesen Titel zu gehen. Jene Ausgabe konzentriert sich auf die innere Suche nach Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Im Vordergrund steht die persönliche Lebensgeschichte des Kammerherrn.

Die ursprüngliche und hier wieder vorliegende Ausgabe ist üppiger und ausschweifender, was die Verhältnisse am Hof angeht. Man hat als Leser
das Gefühl, sich ziemlich genau vorstellen zu können, was das für Leute waren und nach welchen Gesetzen das Leben am Hof damals verlief. Lehndorff schildert das teils voller Hochachtung, besonders wenn es um Prinz Heinrich geht, weitaus häufiger jedoch mit Spott und Hohn, sowohl
was äußerliche als auch charakterliche Mängel anbelangt. Dadurch steht das Tagebuch diametral dem der Gräfin von Voss gegenüber, die sich fast immer voller Demut gegenüber den königlichen Herrschaften verhielt.


Schmidt-Lötzen, der Herausgeber von 1907, schreibt am Ende seiner Einleitung, dass er die Jahrgänge 1775 bis 1806 des Tagebuchs »einstweilen ganz zurückstellen« müsse, bewältigte dann aber doch noch die Übersetzungen bis 1787. Unter den im Staatsarchiv Leipzig aufgefundenen Lehndorff- Akten befinden sich auch zwei bisher unveröffentlichte
Tagebücher. Das erste umfasst die Zeit von Januar bis November 1799, das zweite von Juli 1800 bis Januar 1802. Diese werden nun von der Historikerin Eva Ziebura aus der Originalhandschrift ins Deutsche übersetzt und von Ingolf Sellack durch ein ausführliches Personenregister dem heutigen Leser erschlossen. Das Ergebnis dieser Forschungsarbeit wird
im Stapp Verlag Berlin erscheinen.
Wieland Giebel

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