Zerschossene Panzer vor der russischen Botschaft: Berliner Museum will Kriegsgerät aus der Ukraine in Mitte ausstellen

Der Berlin Story Bunker will vor der russischen Botschaft ein zerstörtes Kriegsgerät aus der Ukraine ausstellen – der Bezirk schwieg. Zumindest bis jetzt.

Von Thomas Lippold Tagesspiegel, 21. Juli 2022


Zerschossene Panzer vor der russischen Botschaft : Berliner Museum will Kriegsgerät aus der Ukraine in Mitte ausstellen

Der Berliner Museumschef Enno Lenze vom „Berlin Story Bunker“ plant, zerstörtes russisches Kriegsgerät aus der Ukraine in Berlin auszustellen. Konkret handelt es sich um einen Panzer oder eine Panzerhaubitze, die temporär nach Berlin kommen sollen.

Momentan stehen die Objekte im Rahmen einer Freiluftausstellung in der tschechischen Hauptstadt Prag, wo sie seit dem 11. Juli auf der Letná-Ebene besichtigt werden können. Am 27. Juni waren die zerstörten Kriegsgeräte zuerst in Warschau zu sehen. Die „For our freedom and yours“ genannte Ausstellung in Polen war laut einer Pressemitteilung des ukrainischen Verteidigungsministeriums die erste Möglichkeit, zerstörte russische Panzer und Haubitzen außerhalb der Ukraine zu besichtigen.

Doch jetzt drängt die Zeit, um die Objekte rechtzeitig nach Berlin zu schaffen. „In der nächsten Woche brauchen wir eigentlich eine Entscheidung“, sagt Wieland Giebel vom Berlin Story Bunker. Am 27. Juni schrieb Giebel der für Verkehr und Umwelt zuständigen Bezirksstadträtin von Mitte, Almut Neumann (Grünen), einen Tag später stellte er beim Bezirksamt einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung für Kunst und Kultur im Stadtraum.

Bis Mittwoch, fast vier Wochen später, kam keine Reaktion aus dem Bezirksamt. Doch nachdem der Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint am Donnerstag über das Vorhaben berichtete, erhielt Giebel am gleichen Tag eine Bestätigung aus dem Bezirksamt, dass der Antrag eingegangen sei. Das Bezirksamt Mitte erklärte, dass der Antrag „sich derzeit in Bearbeitung befindet“.

Politisch hochbrisant

Auf den ersten Blick erscheinen die Gründe für das lange Schweigen aus dem Bezirksamt unklar. Vorstellbar ist allerdings, dass man die Ausstellung der zerstörten russischen Panzer dort keinesfalls als simple Kunstausstellung im öffentlichen Raum wahrnimmt, sondern als hochbrisantes Politikum, dessen möglichen Folgereaktionen man gerne entgehen möchte.

Ganz neu ist diese Form der Kunstausstellung im öffentlichen Raum nämlich keinesfalls. Im November 2017 stellte der deutsch-syrische Künstler Manaf Halbouni für das Kunstprojekt „Monument“ drei Busse hochkant vor das Brandenburger Tor. Die Busse, die damals aus Deutschland kamen, sollten an Barrikaden erinnern, die in der syrischen Stadt Aleppo zum Schutz vor Scharfschützen errichtet wurden. Knapp 300 Meter davon entfernt planen Lenze und Giebel jetzt, auf der Mittelpromenade Unter den Linden zerstörtes russisches Kriegsgerät auszustellen – direkt gegenüber der russischen Botschaft.

An anderer Stelle stehen schon Panzer. Das sowjetische Ehrenmal an der Straße des 17. Juni, in Sichtweite des Brandenburger Tores, wird von zwei sowjetischen Panzern flankiert.

Im April hatte Stefanie Bung, Vizechefin der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, gefordert, die beiden Panzer zu entfernen. „Heute steht der Panzer in Tiergarten nicht mehr nur für die Befreiung Deutschlands vom Nazi-Faschismus, sondern für die aggressive, territoriale, Grenzen- und Menschenleben missachtende Kriegsführung. Deshalb sollten diese Symbole der Aggression und Kriegsverbrechen aus dem Berliner Stadtbild verschwinden“, sagte Bung. Der Senat wies die Forderung zurück. Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne) argumentierte, dass Berlin im Auftrag des Bundes die Pflege des sowjetischen Ehrenmals übernommen hat.

Lenze und Giebel bleiben bei ihrem Plan aber hartnäckig. „Wir wollen weiterhin alles daransetzen, um da eine Entscheidung zu bekommen“, sagt Giebel. Den Transport nach Berlin, die Aufstellung und auch die Entfernung der Objekte werde der Berlin Story Bunker finanzieren. Bis zur nächsten Woche hoffen sie auf eine positive Rückmeldung aus dem Bezirksamt.

ENDE Tagesspiegel

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Das sowjetische Ehrenmal im Tiergarten in der Nähe des Brandenburger Tors steht für eine andere Zeit. Die Rote Armee hat unter großen Opfern und nach 27 Millionen Toten in der Sowjetunion, einschließlich der Ukraine, im Jahr 1945 entscheidend dazu beigetragen, den Nationalsozialismus in Deutschland militärisch zu besiegen.

Wieland Giebel und Enno Lenze von der Berlin Story legen am 22. Juni 2021 einen Kranz am sowjetischen Ehrenmal nieder, 80 Jahre nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion.