„The Making of Berlin“ – der am häufigsten verkaufte Berlin-Film

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Die Produktbeschreibung bei Amazon:

Geschichte, Sehenswürdigkeiten und Perspektive. Wie die Hohenzollern Preußen schufen und Berlin zur europäischen Metropole machten. Wie die Stadt im vergangenen Jahrhundert glänzte, gebeutelt wurde und wieder zu sich fand. Was Berlin heute ausmacht: die Menschen, die Architektur, die Kultur. Brillante Bilder und eine gründliche Analyse.

„Einen Film über Berlin chronologisch, ausgewogen und auch noch spannend zu machen ist schwierig. ,The Making of Berlin‘ setzt genau das um und vermittelt einen fundierten Eindruck von der Stadt. Der Film zieht eine gute Bilanz und zeigt, wohin Berlin sich entwickeln kann. Man spürt die große Liebe des Autors zu Berlin gerade in der Verknüpfung mit der persönlichen Geschichte.“ Prof. Dr. Christoph Stölzl, Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums

Wieland Giebel ist Autor und Herausgeber mehrerer Bücher über Berlin. Er leitet die Buchhandlung Berlin Story, Unter den Linden 10, die 2.000 Titel über Berlin führt, 200 auf Englisch, und Berlinbücher in zwölf Sprachen anbietet. Außerdem gibt es Videos, CDs, Poster, Ölgemälde, Kupferstiche, Souvenirs, aktuelle und historische Pläne.

„The Making of Berlin“ ist der erfolgreichste Berlin-Film, der am häufigsten verkauft wurde und am häufigsten lief – aber es war eine extrem schwere Geburt. Und daran war der Nationalsozialismus schuld. In meinem Kopf entstand einfach keine Storyline, wie ich nach der Zeit der Aufklärung, der Industrialisierung, der eigentlich ganz positiven Kaiserzeit diese braune Pest schildern konnte. Ich quälte mich und schob das Projekt vor mir her.

The Making of Berlin – Video 28 Minuten, DE

The Making of Berlin – Video 28 minutes, EN

Hintergrund war, dass ich in meiner Buchhandlung Berlin Story Unter den Linden 40 tagein tagaus nach geschichtlichen Ereignissen gefragt wurde. Zwei Ideen entwickelten sich dadurch: die Ausstellung an Wandtafeln, also ein nicht-kommerzielles Projekt, sowie der Film.

 

Die Wandtafeln hingen am Rand der Buchhandlung, waren auch damals schon deutsch und englisch – und die Besucher lasen durchschnittlich 30 bis 40 Minuten. So lange! Damit hatte ich nicht gerechnet. Daraus entstand dann das Berlin Story Museum, später die Ausstellungen im Berlin Story Bunker.

Die Buchhandlung war so groß, dass ich diese Tafeln erweiterte. Trotzdem kam es nicht zum intellektuellen oder auch emotionalen Durchbruch, wie der Film sein sollte.

Dann besuchte ich 2001 in Israel meine Tochter, die in einem Kibbuz in einer „Viele, viele bunte SMARTIES“ -Fabrik arbeitet. Wir besuchten zusammen den Kibbuz Ein Gedi am Toten Meer. Meine Tochter fand es da total langweilig, aber mir verhalf der Aufenthalt am Toten Meer zum Durchbruch. Abends gab es einen Lichtbildervortrag von Ayala Gilad. Sie war als Kind mit ihren Eltern in diese ganz und gar unfruchtbare Wüste gekommen. Die sozialistisch orientierten, aus Europa geflüchteten Juden schufen eine Oase, die immer grüner wurde und zu einer zunächst einfachen, damals jedoch schon nicht so billigen und heute (2024) luxuriösen Einrichtung entwickelte. Ayala verknüpfte ihre Familiengeschichte mit der des Kibbuz und mit der Geschichte Israels. Es war eine Erzählung vom Aufbau, von der Lebensfreude und dem Überleben in einer vorher unbewohnten und unbewohnbar scheinenden Umgebung. Noch heute ist es so, dass man lange durch die Wüste fährt, bis man zu dieser Oase kommt.

So wollte ich es machen, einfach eine etwas persönliche Geschichte in dem Film über Berlin erzählen. Dadurch konnte ich auch eine höhere Identifikation der Zuschauer erreichen. Das war nicht Geschichte wie aus dem Geschichtsbuch, sondern hatte etwas mit mir und meiner Familie zu tun.

Mit Karl Heinz Kraemer hatte ich schon länger zusammengearbeitet. Er entwarf Werbung und akquirierte auch selbst. Im S-Bahnhof Unter den Linden hatten wir über viele Jahre hinter den Gleisen eine Ausstellung zu historischen Themen Berlins, gesponsert von Berliner Traditionsbetrieben. Karl Heinz Kraemer konnte Werbegelder eintreiben – ich nicht. Rund um den Fernsehturm war seine größte Bauzaunausstellung mit mehr als 120 verkauften Werbetafeln und historischen Tafeln dazwischen. Ich lieferte Texte und Material. Mit ihm zu arbeiten war einfach und angenehm. Ich brauchte Hilfe, weil ich noch nie einen Film gemacht hatte. Schwierige war es allerdings mit seiner Frau und der Cutterin. Bei unserem ersten Treffen hatten sie schon einiges vorbereitet. „Das lässt sich jetzt nicht mehr ändern!“ Zwei Weiber, die das Metier kannten, gegen mich, der ich keine Ahnung, aber eine klare Vorstellung hatte. Der Film sollte genau 25 Minuten lang sein. Nicht 20, nicht 45 und schon gar nicht eine Stunde. Er sollte nicht so trocken sein, aber doch so, dass mich kein Historiker in der Luft zerreißen konnte. Davor hatte ich lange Angst. Heute nicht mehr. Mir war damals nicht klar, wie man am besten historische Dokumente, aktuelle Filme und persönliche Beiträge zusammenschneidet. Im Verlag ist es nervig, mit Laien zusammenzuarbeiten, die noch kein Buch gemacht haben. Der Aufwand ist extrem viel höher, man braucht Zeit und Nerven. In dieser Laienrolle fand ich mich beim Filmemachen – und musste mich dennoch durchsetzen. Das Video ist jetzt so, wie ich es mir vorgestellt habe, einschließlich der Szene am Ende, wo ich beim Marathon um die Siegessäule jogge – der dynamische Unternehmer 🙂

 

In meinem online Berlin Story Tagebuch, auf dieser Internetseite im Archiv zu finden, hieß es: „Berlin vom Anfang bis heute. Die Uraufführung fand am 29. März 2002 statt – auf VHS-Cassette. Die Laudatio für die Medien hielt Prof. Christoph Stölzl, Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums.“

Stölzl war super nett. Wir hatten Veranstaltungen mit ihm zusammen gemacht, durften das DHM nutzen, erhielten später eine echte Pickelhaube aus dem Jahr 1848 einfach so (und gaben sie dann zurück), damit wir sie für die Historiale vom Zeughaus Kinnemann nachbauen lassen konnten. Einige dieser Exemplare hängen heute im Berlin Story Bunker im Auftakt der Zeit vor Hitlers Geburt, der „Pickelhaubenzeit“, wie ich sie da nenne. Auch mit seinen Nachfolgern Hans Ottomeyer trafen wir uns gelegentlich. Unter Alexander Koch, mit dem wir freundschaftliche Beziehungen unterhielten, durften wir das „Hitler-Itinerar“ von Harald Sandner vor mehr als 250 Besuchern im Veranstaltungsraum vorstellen – kurzfristig, weil unsere Räume aufgrund der vielen Anmeldungen zu klein waren.

Enno Lenze (links), Berlin Story, begrüßt die Gäste und stellt das Podium vor: Harald Sandner, der Autor, der mehr als 25 Jahr daran gearbeitet hat, das Leben von Hitler Tag für Tag auf 2453 Seiten in vier Bänden zu recherchieren, Moderator, Historiker und Journalist Sven Felix Kellerhoff sowie der Historiker und derzeitige (2024) Leiter aller Brandenburgischen Gedenkstätten, Axel Drecoll, damals Chef der Gedenkstätte Obersalzberg. Der heutige Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum, Prof. Dr. Raphael Gross, trägt die Nase etwas höher und kennt uns nicht.

Der Film lief in den Buchhandlungen bis zum 29. März 2020 20x täglich an 6.576 Tage, erreichte 131.520 Aufführungen, erst Unter den Linden, dann im Berlin Story Bunker.

 

Wir befinden uns weiterhin im Zeitalter der VHS-Kassetten. Das bedeutet, für jede Sprache musste eine einzelne Kassette produziert werden – hier russisch. Und was ist mit NTSC, also das Videosystem für den amerikanischen Markt? Auch diese Kassetten produzierten und verkauften wir.

 

Das Ende der Kassetten und das Zeitalter der DVDs. Was war passiert? Ein kleiner Lehrgang Marxismus:

„Der moralische Verschleiß von Produktionsmitteln bezeichnet in der Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx den Umstand, dass Waren, ohne dass sie ihren Gebrauchswert (also ihre Nützlichkeit) verlieren, trotzdem einen Teil oder ihren gesamten Wert verlieren können, indem durch den technischen Fortschritt die Bedingungen ihrer Produktion verbessert werden. Sind Moral die Sitten und Gebräuche eines Volkes, dann lässt sich moralischer Verschleiß verstehen als ein Verlust, der eintritt, weil sich die Sitten und Gebräuche eines Volkes ändern, im wirtschaftlichen Bereich die Art und Weise, wie Waren hergestellt werden.“ So erläutert es Wikipedia. Oben im Regal die Kassetten haben rote Schnäppchen-Aufklber, sie gehen für drei Euro weg. Was sehen wir noch auf dem Foto? Eine Webcam, die hatten wir schon sehr früh. Wenn wir aus dem Fenster sehen, erkennen wir den Hof zwischen den beiden Läden Unter den Linden 40. Dort fanden unsere Partys sattt, mehrmals im Jahr und bis zum Morgengrauen. Das Haus stand sonst leer. Und wir sehen das gelbe Ganzjahres-Schild „Jetzt schon an Weihnachten denken“. Die Weihnachtsbücher, vor allem aber die Adventskalender, gab es immer. Zu jeder Zeit. Es waren Bestseller.

 

Eine Anzeige im Jahr 2006 für eine Publikation des Stadtmuseums Berlin.

Die DVDs liefe so gut, dass wir Jahrgangs-DVDs herausgaben.

 

 

Im Jahr 2011 waren wir dann bei zehn Sprachen.

 

Parallel zur DVD entwickelte sich auch das Museum weiter, das wir erst im riesigen Laden über drei Etagen Unter den Linden 26 in den Kaiserhöfen hatten, dann wieder Unter den Linden 40.

 

Im Jahr 2007 gaben wir im Durchschnitt alle zwei Wochen ein neues Berlinbuch heraus, 25 im Jahr. Dieses hier ist Werbung mit den Best-of-Auszügen aus diesen Büchern, unser Werbematerial, ein komplettes Buch, an der Kasse zum Mitnehmen. Seit 2006 fand auch jährlich das große Geschichtsfestival Historiale statt, zuerst mit Napoleon, der exakt 200 Jahre zuvor Berlin eingenommen hatte und dem Einmarsch mit mehr mehreren Hundert Soldaten, mit Kapellen und Pferden durchs Brandenburger Tor – sowie rund fünfzig Veranstaltungen mit vielen Partnern zusammen zu diesem Themen UND mit zwei Büchern dazu.

 

 

Bis Ende 2016 waren es drei Läden Unter den Linden. In jedem gab es weiterhin die DVD, aber der Verkauf brach dann ziemlich schnell zusammen, als das Internet schneller wurde und die Menschen Streamen wollte. Das hätte für uns nicht nur eine neue Infrakstruktur erfoldert, sondern vor allem eineAktualisierung oder besser eine ganz neue Produktion. Die Zeit des Aufbruchs nach dem Fall der Mauer war vorbei.

The Making of Berlin – Video 28 Minuten, DE

The Making of Berlin – Video 28 minutes, EN

Inzwischen hatten wir auch den Film über die Berliner Mauer produziert, in zehn Sprachen herausgegeben und zusammen mit „The Making of Berlin“ auf dieser sozusagen XXL-DVD herausgegeben, eine Idee von Enno Lenze, ergänzt um den Film „Berlin heute„, den wir zusammen mit Bernd Papenfuß gemacht haben und mit Bonus-Material der Dokumentationen mehrere Historiale-Festival.

Was bleibt? Der Gedanke an die Banker, die mir kein Geld für die Produktion dieses Films geben wollte, dann einen Business-Plan forderten, sowieso der größte Schwachsinn, schließlich dennoch die Taschen zuhielten. Heute brauche ich diese Kleingeister zum Glück nicht mehr. Als wir dann im Bunker „Hitler – wie konnte es geschehen“ entwickelt haben, sind wir gar nicht erst zur Bank gegangen. Das hätte deren Horizont überstiegen. Zum großen Glück gab es Privatleute, die mir vertrauten, weil sie mich kannten, und die uns Geld liehen.